Der Trend scheint ohnehin in diese Richtung zu verlaufen: Den Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zufolge aßen die Menschen in Deutschland im vergangenen Jahr so wenig Fleisch wie noch nie seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1989. Allerdings fiel der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr eher gering aus. Im Vergleich zum Jahr 2019 reduzierte sich der Fleischkonsum pro Kopf und Jahr um 750 Gramm. Allerdings waren davon nicht alle Fleischarten gleichermaßen betroffen. Besonders hoch war der Rückgang demnach bei Schweinefleisch. Bei Rinds- und Kalbsfleisch sank der Wert hingegen nur minimal. Geflügel wurde sogar häufiger verspeist als im Vorjahr. Für Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, sind diese Zahlen aber ohnehin deutlich zu niedrig. Er forderte in einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe einen deutlich stärkeren Verzicht.


Rinder bei der Fütterung. Foto: By Franzfoto (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt ebenfalls weniger Fleisch

Eine wirkliche Verbesserung der Situation ist demnach erst bei einer Halbierung des Fleischkonsums zu erwarten. Dies wären dann pro Kopf noch 28,65 Kilogramm im Jahr – oder 78 Gramm pro Tag. Profitieren würden davon sowohl Umwelt und Klima als auch die Gesundheit der Bevölkerung. So mahnt die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits seit vielen Jahren eine deutliche Verringerung des Fleischkonsums an, um typische Zivilisationskrankheiten in den Griff zu kriegen. Gleichzeitig bringt die Massentierhaltung enorme Probleme mit sich. So ist diese unter anderem für die massiven Stickstoffüberschüsse in Deutschland verantwortlich. Dies wiederum stellt eine enorme Belastung für die Böden, die Gewässer und die Biodiversität dar. Dieser Lesart zufolge stellt der Verzicht auf Fleisch also auch einen Beitrag zum Schutz der Ökosysteme in Deutschland dar.

Auch das Klima wird durch die Massentierhaltung belastet

Zusätzlich verursachen weniger Tiere im Stall auch schlicht weniger Emissionen von Klimagasen. Auch der Klimaschutz würde also profitieren. Messner geht in seiner Argumentation aber sogar noch einen Schritt weiter. Denn seinen Ausführungen zufolge könnten auch die Landwirte in Deutschland von einer Umstellung der Ernährung profitieren. Denn wenn die Menschen insgesamt weniger Fleisch einkaufen, sparen sie zunächst Geld. Dies wiederum würde sie in die Lage versetzen, ansonsten höherwertiges Fleisch zu kaufen. Messner spricht hier von einem „ausbalancieren im Geldbeutel“. Mache man hingegen so weiter wie bisher, drohe der Klimawandel Folgen mit sich zu bringen, von denen dann vor allem Geringverdiener übermäßig stark betroffen wären. Die Ausführungen des Präsidenten des Umweltbundesamtes sind allerdings zunächst nur theoretischer Natur. Denn bisher gibt es auf politischer Ebene keine Pläne eine Reduzierung des Fleischkonsums gezielt zu befördern.


Via: Die Zeit

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