Die Ausgangsbeschränkungen, die im Zuge der Corona-Krise erlassen wurden, belasten die Menschen weltweit momentan teilweise schwer. Wann sie wieder aufgehoben oder zumindest erleichtert werden können, ist derzeit noch komplett unklar – unter anderem, weil belastbare Daten fehlen. Unter Führung des Virulogen Hendrik Streeck von der Universität Bonn findet nun eine Studie in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg in NRW statt, die als Epizentrum der deutschen SARS-CoV-2-Epidemie gilt. Ihre Ergebnisse sollen dabei helfen, Fragen nach dem richtigen Umgang mit dem Virus zu beantworten.


Gangelt: Epizentrum in Deutschland

Fragt man Hendrik Streek, warum er Viruloge geworden ist, erzählt er unter anderem von dem Film „Outbreak“ mit Dustin Hoffman. In diesem bricht eine Ebola-Variante aus und Hoffmans Rolle kämpft für eine Kleinestadt, die ausgelöscht werden soll, damit die Epidemie eingedämmt werden soll.


Nun hat Streeck im Grunde seine eigene Kleinstadt. In der Gemeinde Gangelt wurde vor einigen Wochen der erste Corona-Patient in NRW registriert. Die Region hat vieles, was anderen Landstrichen in Deutschland erst noch blüht, schon erlebt. Deshalb ist sie gut für die Studie geeignet, mit der Streeck ergründen will, wie man aus der Corona-Krise herauskommt und wann es als sicher angesehen werden kann, die bestehenden Einschränkungen zu lockern oder aufzuheben.

500 Familien werden untersucht

Die Studie hat vergangenem Montag begonnen und wird vom Land NRW finanziert. „ Wenn die Politik Maßnahmen lockert, während noch die Zahl der Infektionen steigt, kann man damit nicht gewinnen. Der einzige Weg daraus sind Fakten. Man muss wissen, wie viele Menschen sowieso schon infiziert sind. Man muss wissen, welche Einrichtungen besonders geschützt werden müssen. Und das versuchen wir nun in sehr kurzer Zeit in einer Art Harakiri-Aktion herauszufinden„, erklärt Streeck.

Für die Studie wurden mit Hilfe des Einwohnermeldeamts insgesamt 500 Familien ausgesucht, die nun in einem improvisierten Studienzentrum in einer Schule untersucht werden. Die Untersuchung beinhaltet eine Blutuntersuchung, einen Rachenabstrich sowie einen umfassenden Fragebogen. Neben gesundheitlichen Beschwerden sollen auch Infektionsketten aufgedeckt werden. Die Größe der Familien variiert, insgesamt sollen aber etwa 1000 Personen teilnehmen. So will Streecks Team herausfinden, wer mit dem Virus infiziert wurde und wer nicht – und was die Gründe dafür sind.

Welche Maßnahmen helfen wirklich gegen das neue Coronavirus?

Eines der großen Probleme der Corona-Krise ist, dass wir über das Dunkelfeld der Infizierten, also die Zahl derjenigen, die nicht vom Robert-Koch-Institut registriert werden, nicht viel wissen. In Gangelt weiß man zumindest recht genau, wann die erste Infektion in den Ort getragen wurde: Am 15- Februar auf der Kappensitzung, wo der erste bestätigte Infizierte in NRW gefeiert hat. Das passt auch zur Hypothese des Forschers: „ Es ist immer an Orten ausgebrochen, wo wild gefeiert wurde. In Gangelt war es der Karneval, in Ischgl der Après-Ski, in Bergamo ein Fußballspiel. Es ist immer: Viele Menschen auf engem Raum„, so Streeck.

Daher werde das Team sich die Kappensitzung auch nochmal genau anschauen. Außerdem soll eruiert werden, warum bestimmte Gäste dort gerade nicht von dem Virus infiziert wurden. Auch interessiert Streeck sich für die Frage, inwieweit Kinder das Virus auf ihre Eltern übertragen können.

Bezüglich seiner Meinung zu den geltenden Beschränkungen hat der Viruloge sich auch geäußert: „ Ich halte die Einschnitte, die wir jetzt haben, für sehr drastisch. Da argumentiere ich aber nicht als Virologe, sondern als Bürger. Es ist immer schlimm, wenn Menschen sterben. Aber die Frage ist, ob man andere Existenzen gefährdet und dadurch auch Leben aufs Spiel setzt.

Mit seinem 70-köpfigen Team hofft Streeck, bereits in zwei Wochen Ergebnisse vorlegen zu können. Bei der Studie in Gangelt handelt es sich um die erste ihrer Art in Europa, in anderen Ausbruchsorten auf dem Kontinent habe es soetwas noch nciht gegeben.

Im Kreis Heinsberg, in dem die Gemeinde Gangelt liegt, gibt es inzwischen etwa 1300 Infektionen und 37 Todesopfer.

Quelle: Focus Online

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2 Kommentare

  1. Cris

    2. April 2020 at 19:30

    Könnt ihr Euch bitte angewöhnen Quellen mit anzugeben. So sind Eure Artikel oft Bild Niveau.

    Hendrik Streek hat nämlich schon vorher 2 Wochen mit seinem Team in Gangelt geforscht!

  2. Michael Kammler

    2. April 2020 at 20:38

    Hi Cris,

    die Quelle wird nachgereicht. Die Forschungen zur aktuellen Studie haben am 30. März begonnen.

    Beste Grüße Micha

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