Noch vor gut einem Jahr war die Gefahr, dass durch den Klimawandel tödliche Viren freigesetzt werden können, nur theoretisch gegeben. Jetzt ist sie real. Durch die Erderwärmung wurde in Sibirien eine Grabstelle von Rentieren freigelegt, die an Milzbrand erkrankt waren. 70 Menschen erkrankten, ein zwölfjähriger Junge starb. Um die Ausbreitung zu stoppen, haben die russischen Behörden eine große Impfaktion gestartet.


Heiße Tage in Sibirien

Die Viren waren bis zu ihrer Freisetzung im vermeintlichen Permafrostgebiet eingeschlossen, also in einer Region, in der der Boden selbst im Sommer nicht auftaut. Bis jetzt stimmte das auch. Doch der vergangene Sommer war in Sibirien so warm, dass der Boden auftaute und die Viren aktiv werden konnten. Forscher fürchten, dass das erst der Anfang war. Es könnten Viren freigesetzt werden, die vor Jahrtausenden eingeschlossen worden waren, also unbekannt sind. Sie könnten Krankheiten auslösen, gegen die der Mensch keine Gegenmittel hat.


Kehren jetzt die Pocken zurück?

Französische Forscher haben bereits mehrere Arten von Riesenviren entdeckt, die vor 30.000 Jahren vom Eis eingeschlossen worden waren, die lange Pause aber unbeschadet überstanden haben. Eine Gefahr geht von ihnen nicht aus. Doch das muss nicht für alle Viren gelten, die der Klimawandel aus dem Eis befreit. Wir können nicht ausschließen, dass alte herpes- oder pockenähnliche Viren aus vorzeitlichen sibirischen Tier- oder Menschenpopulationen wieder auftauchen, wenn die arktischen Permafrostschichten schmelzen oder durch industrielle Aktivitäten gestört werden“, so die Forscher.

Tauwetter setzt auch Kohlendioxid frei

Krankheiten sind nicht die einzige Gefahr. Der Rückgang der Permafrostgebiete, die fast ein Viertel der Landflächen auf der Nordhalbkugel umfassen, die meisten davon in Russland, Alaska, Kanada und Grönland, wird auch den Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre erhöhen, warnen Forscher des Alfred-Wegener-Instituts im Bremerhaven. Noch umschließt das Eis gigantische Mengen an pflanzlichem Material. Das wird, wenn es auftaut, verrotten und Kohlendioxid freisetzen. Dann wird der Klimawandel noch einmal beschleunigt, ein Teufelskreis.

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1 Kommentar

  1. mh

    20. Februar 2017 at 11:45

    Eine kleine Korrektur: Der Verursacher von Milzbrand ist Bacillus anthracis und somit ein Bakterium kein Virus.

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