An Initiativen in Sachen Aufforstung mangelt es aktuell nicht. So gibt es beispielsweise das Programm „Trillion Trees“, unter anderem unterstützt von der Umweltschutzorganisation WWF. Unabhängig davon bemüht sich aber auch die „Trillion Tree Campaign“ der Organisation „Plant-for-the-Planet“ um die globale Aufforstung. Und auch die Vereinten Nationen rufen im Rahmen der „Bonn Challenge“ zum Bäume pflanzen auf. Weltweit bemühen sich so mehrere hundert Organisationen um die Aufforstung. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wurde daher nun beschlossen, eine Plattform ins Leben zu rufen, um diese verschiedenen Initiativen zu vernetzen. Das Ziel: Den Baumbestand weltweit um eine Billion Bäume zu erhöhen. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Projekt, weil sogar US-Präsident Trump die Unterstützung seines Landes zusagte.


Foto: Forrest, Simon Gehrig, Flickr, CC BY-SA 2.0

Eine Schweizer Studie erwies sich als zu optimistisch

Gespeist wird die Motivation zum Bäume pflanzen vor allem von der Hoffnung, dadurch CO2-Emissionen zu binden und so den Klimawandel einzudämmen. Im vergangenen Jahr beflügelte eine Studie der ETH Zürich die Begeisterung. Die Wissenschaftler dort rechneten aus, das auf der Erde noch 900 Millionen Hektar bepflanzt werden könnten. Dies würde ausreichen, um ein Drittel aller jemals vom Menschen emittierten Treibhausgase aus der Atmosphäre zu filtern. Doch die Euphorie rund um die Studie wurde schon bald wieder eingebremst. Denn andere Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die Sachlage doch etwas komplexer ist. Denn viele der eingeplanten Gebiete sind aus gutem Grund nicht bewaldet. Teilweise handelt es sich um Permafrostböden, teilweise sind die klimatischen Bedingungen schlicht zu schlecht und teilweise existiert dort bereits eine Savannenlandschaft, die ebenfalls CO2 speichert.

Die Standortwahl ist von Bedeutung

Außerdem haben mehr Bäume nicht nur positive Auswirkungen auf das lokale Ökosystem. So haben Studien gezeigt, dass groß angelegte Aufforstungsprojekte auf lange Sicht die Wassermenge in den umliegenden Flüssen sinken lassen. In einigen Teilen der Welt kann dies hochproblematisch sein. Aus Sicht der Wissenschaft ist daher klar: Die Standorte für neue Wälder müssen gewissenhaft ausgesucht werden. Dann aber besitzen Bäume tatsächlich das Potential, einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Allerdings wäre es vermutlich am sinnvollsten, schlicht die bereits vorhandenen Baumbestände zu erhalten. Insbesondere in Südamerika und Asien gehen aber noch immer jedes Jahr gewaltige Waldflächen verloren. Diese Flächen wieder aufzuforsten, wäre daher vermutlich der sinnvollste Ansatz, um mit Bäumen den Klimawandel zu bekämpfen. Unabhängig davon sind sich die meisten Experten einig, dass die Pflanzung von Bäumen nur ein Baustein der globalen Klimaschutz-Strategie sein kann. Parallel dazu ist es unabdingbar auch die globalen CO2-Emissionen zu senken.


Via: Sueddeutsche Zeitung

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1 Kommentar

  1. Andro Wegner

    25. Januar 2020 at 10:36

    Bäume nutzen dann am meisten, wenn sie Teil eines funktionierenden lokalen oder regionalen Öko-Systems sind, wenn die lokale Bevölkerung profitiert & die Bäume geeignet sind, die Landschaft zu regenerieren, die Landwirtschaft zu unterstützen, den Wasser-Haushalt zu verbessern, Böden vor Erosion und Gewässer vor unkontrolliertem Nährstoff-Eintrag zu schützen. Siehe die Baumpflanzaktionen von Ecosia oder natural sequence farming als Beispiel.

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