Der sogenannte Graue Star ist in Deutschland die häufigste Ursache für eine Sehbehinderung oder Blindheit. In der Regel tritt die Erkrankung bei älteren Menschen auf, es gibt aber auch angeborene Varianten. Die Behandlung ist sehr aufwändig. So muss die eingetrübte Linse operativ durch eine künstliche ersetzt werden. Bisher noch ungeklärt ist die Frage, wieso die Krankheit überhaupt auftritt. Klar ist lediglich, dass die als Alpha-, Beta- und Gamma-Kristalline bekannten Linsenproteine eine Rolle spielen. Diese verklumpen im Laufe der Zeit. Das Auskristallisieren wiederum trübt die Linse nach und nach ein, weil die Linsenproteine schon im Embryo gebildet und nicht ersetzt werden. Doch wieso verklumpen die Kristalline? Bisher ging die Forschung hier von einer Hypothese aus, bei der die Alpha-Kristalline die entscheidende Rolle spielten.


Bei Mäusen bestätigte sich die bisher genutzte Erklärung nicht

Demnach fungieren diese als eine Art Schutzmechanismus und binden fehlgebildete Proteine an sich. Dadurch würde der Theorie zufolge das Verklumpen zunächst verhindert. Im Laufe des Lebens wären dadurch aber immer mehr Alpha-Kristalline bereits besetzt, sodass es dann doch zur Eintrübung der Linse kommt. Um diese Theorie zu überprüfen, haben Forscher der TU München nun die Zusammensetzung der Linsenproteine bei verschiedenen Mäusearten genauer untersucht. Einige davon neigten zur Entstehung des Grauen Stars, während andere von der Krankheit nur selten betroffen sind. Das überraschende Ergebnis: Bei allen Tieren waren die vermuteten mutierten und instabilen Proteine schlicht nicht vorhanden. Entstanden diese doch einmal, wurden sie sofort vom Körper abgebaut. Folgerichtig wurden auch die Alpha-Kristalline nicht blockiert.


Die Balance der Proteine steht nun im Fokus

Die bisher verfolgte Theorie scheint also keine ausreichende Erklärung zu bieten. Stattdessen stießen die Forscher bei ihren Analysen auf ein anderes Phänomen. Demnach kam es bei Tieren, die sehr schnell Grauen Star entwickelten, zuvor zu einer ungleichen Verteilung der verschiedenen Kristalline. Konkret wurde ein erhöhter Anteil an Beta-Kristallinen gegenüber den Alpha-Kristallinen festgestellt. Das Gamma-Kristallin wiederum wurde jeweils besonders schnell abgebaut. Es entstand also ein erhebliches Ungleichgewicht. Bei den Mäusen ohne Grauen Star wiederum wurde die Balance nicht gestört. Die Forscher entwickelten daher ein neues Modell für die Entstehung des Grauen Stars, bei dem die Balance der Proteine im Mittelpunkt steht. Auf dieser Basis könnte nun nach neuen Medikamenten gesucht werden – vorausgesetzt die Untersuchungsergebnisse bestätigen sich auch beim Menschen.

Via: Nature

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