Die taktile Wahrnehmung der Menschen geht allmählich zurück, so beobachtet es die Forschung bereits seit einiger Zeit. Die virtuelle Welt hat uns zunehmend im Griff, Kinder wachsen immer häufiger in einem Umfeld mit eingeschränkten Sinnesreizen auf. Gleichzeitig lernen Roboter immer besser, haptische Reize zu verarbeiten und können auf Berührungen entsprechend reagieren. Wächst damit nun zusammen, was zusammengehört?


Seehund-Roboter Paro als Seniorentherapeut

Wir Menschen benötigen körperliche Berührungen, um uns positiv zu entwickeln, sogar das Immunsystem profitiert davon. Babys, die nicht auf den Arm genommen und geschmust werden, entwickeln weniger Hirnaktivitäten und einen geringeren IQ. Daraus resultieren wiederum vielfältige Entwicklungsstörungen. Auch Erwachsene leiden unter Berührungsarmut, seelisch wie körperlich. Ältere Menschen sind besonders davon betroffen, oft kommt noch eine Demenz hinzu. Doch gerade auf diesem letztgenannten Feld hat sich in letzter Zeit einiges getan: Der plüschige Roboter »Paro«, der ein bisschen an einen süßen Seehund erinnert, wird schon seit 2003 in der Seniorentherapie eingesetzt. Im Guinnessbuch der Rekorde erhielt er den Titel »World’s Most Therapeutic Robot«, denn er reagiert auf das Verhalten seines Gegenübers und verhält sich immer möglichst so, dass er Streicheleinheiten erntet. Das Wackeln mit der Flosse und dem Kopf gehört ebenso dazu wie die quietschenden Laute eines Seehundbabys.


So funktioniert Paro, der Therapieroboter

Ein Roboter empfindet keine Zuneigung oder Loyalität

Ein lebendiges Haustier wäre für demente Senioren sicher fehl am Platz, ein Paro jedoch leidet nicht unter einer vergessenen Fütterung oder den fehlenden Gassigang. Gleichzeitig erzeugt der Streichelroboter dieselben Reaktionen und Emotionen wie ein echtes Tier, obwohl es sich bei ihm nur um eine Maschine handelt. Das Fazit ist einfach: Menschen kann es wirklich guttun, einen Berührungsroboter mit taktiler Sensibilität um sich zu haben, der entsprechend Rückmeldungen gibt. Sogar ein einfacher Händedruck zwischen einem Menschen und einem Androiden löst Gefühle aus, ob man es nun will oder nicht. Ein bisschen erscheint das Ganze allerdings auch wie (Selbst-)Betrug: Der Roboter genießt das Streicheln und Berühren schließlich nicht, sondern er tut nur so, weil seine Programmierung es ihm vorgibt. Seitens des Menschen entsteht eine emotionale Beziehung zu einem »Ding«, das seinerseits weder dankbar, noch treu ist – und schon gar keine Zuneigung oder Liebe empfindet.

Und doch gibt es Streichelroboter wie Qoobo auf dem Markt. Dieses Produkt besteht aus einem flauschigen Kissen mit Schwanz und soll auf seine seltsam unperfekte Weise eine Katze simulieren. Das Gerät kann jeder, der will, bei Amazon erstehen, der Hersteller heißt Yukai Engineering. Damit lassen sich dann auf moderne Weise Berührungsdefizite ausgleichen, und zwar bei allen, die sich danach sehnen und keine andere Möglichkeit sehen.

Quelle: qiio.de

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