Der Einsatz von Streumunition gilt als besonders perfide Form der Kriegsführung. Denn es werden Bomben abgeworfen, die viele verschiedene kleine Sprengkörper freisetzen. Ein gezielter Einsatz ist so nicht möglich. Stattdessen verteilen sich die Sprengsätze großflächig und treffen Zivilisten genauso wie Militäreinheiten. Blindgänger wiederum sorgen noch Jahrzehnte später für Gefahr. Zumal niemand genau weiß, wo die einzelnen Bomben tatsächlich gelandet sind. Die Weltgemeinschaft hat sich daher eigentlich für eine Ächtung von Streumunition ausgesprochen. Mehr als einhundert Staaten haben eine entsprechende Konvention bereits unterzeichnet. Trotzdem kommen entsprechende Waffen aktuell unter anderem in Syrien und im Jemen zum Einsatz. Menschenrechtsaktivisten wollen die Einsätze dokumentieren, um die verantwortlichen Personen später zur Rechenschaft ziehen zu können. Helfen sollen dabei unter anderem Bilder aus den sozialen Netzwerken.


Bild: Gemeinfrei

Nachbildungen aus dem 3D-Drucker trainieren den Algorithmus

Allerdings stehen die Aktivisten hier vor einem gänzlich neuen Problem. Denn in der Vergangenheit mangelte es zumeist an zuverlässigen Informationen aus Kriegsgebieten. Heute allerdings besitzen die meisten Menschen ein Smartphone und einen Zugang ins Internet. Der Konflikt in Syrien ist somit durch unzählige Bilder und Videos dokumentiert. Allerdings sorgt die schiere Masse dafür, dass diese nicht alle von menschlichen Mitarbeitern detailliert betrachtet und analysiert werden können. Deswegen soll nun künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Künstler Adam Harvey. Dieser hat sich im Internet über die Bauweise und das Aussehen von Streumunition informiert. Anschließend nutzte er einen 3D-Drucker um möglichst realistische Nachbildungen anzufertigen. Diese wiederum fotografierte er dann in realistischen Umgebungen. Teilweise stellte er dabei sogar typische Beschädigungen nach.

Digitale Beweise werden immer wichtiger

Seine Aufnahmen nutzte der Künstler schließlich, um damit einen Algorithmus zu trainieren. Die künstliche Intelligenz soll so in die Lage versetzt werden, Bilder aus Krisengebieten autonom zu analysieren. Entdeckt sie Hinweise auf Streumunition, wird ein Hinweis an einen menschlichen Helfer gesendet, der die Aufnahme dann noch einmal genauer anschaut. Bestätigt sich der Verdacht, wird das Bild zur weiteren Dokumentation gesichert. Auf diese Weise kann die große Masse an Fotos in vergleichsweise kurzer Zeit gesichtet werden. Allerdings funktioniert dies logischerweise nur, wenn der Algorithmus auch auf eine annehmbare Trefferquote kommt. Ein Wert von achtzig Prozent gilt hier als notwendig. Die Nachbildungen aus dem 3D-Drucker sollen helfen, dieses ambitionierte Ziel zu erreichen. Später einmal könnten die so gesicherten Bilder dann etwa in Kriegsverbrecherprozessen zum Einsatz kommen. Erste Richtlinien zum Umgang mit solchen digitalen Beweisen wurden bereits etabliert.


Via: Der Spiegel

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