Als eine Expertengruppe in den Niederlanden zu Beginn dieses Jahres einen Acht-Punkte-Plan zum Insektenschutz vorstellte, fand sich darauf auch das Thema Lichtverschmutzung. Dabei geht es darum, dass die Tiere durch immer mehr menschliche Lichtquellen verwirrt werden. Ein Team der britischen University of Exeter hat sich das Thema nun noch einmal genauer angeschaut und insgesamt 126 bereits erschienene Studien ausgewertet. Das Ergebnis: Tatsächlich nimmt die sogenannte Lichtverschmutzung jedes Jahr um rund zwei Prozent zu. Von den Auswirkungen betroffen ist zudem beinahe die komplette Flora und Fauna – von Mikroben und Wirbellosen bis hin zu großen Tieren und Pflanzen. Die Forscher plädieren daher dafür, das Thema stärker in den Fokus zu rücken und konkrete Strategien gegen die Lichtverschmutzung zu entwickeln.


Bild: user:Quistnix [CC BY 1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/1.0)]

Insekten werden von Scheinwerfern besonders stark angelockt

Die Auswirkungen auf die Tierwelt fallen höchst unterschiedlich aus. So gehen viele Nagetiere nachts auf Nahrungssuche. Durch die vielen zusätzlichen Lichtquellen fällt diese Spanne inzwischen aber deutlich kürzer aus. Eine andere Auswirkung dürften viele zudem schon selbst mitbekommen haben: Singvögel starten inzwischen immer früher in den Tag. Andere Tiere wiederum werden durch die Lichtquellen abgelenkt, wodurch ihnen schlimmstenfalls der Tod droht. Dies ist beispielsweise bei frisch geschlüpften Meeresschildkröten der Fall. Diese finden teilweise den Weg vom Strand ins Meer nicht mehr. Auch Insekten werden beispielsweise von Autoscheinwerfern angezogen und dann erfasst. Zusätzlich wiesen die Forscher bei allen Tierarten nach, dass sich die Konzentration des Hormons Melatonin reduzierte. Dieses wiederum ist verantwortlich für den Schlafzyklus.

Viele kleine Lichtquellen werden zum großen Problem

Woher stammt nun aber das viele Licht? Eine Quelle ist schnell ausgemacht: Straßenlaternen sorgen in bewohnten Gebieten dafür, dass Wege auch nachts problemlos genutzt werden können. Tatsächlich hat sich die Situation in diesem Punkt sogar ein wenig verschlimmert. Denn viele Städte haben aus Kostengründen auf LED-Lichter umgestellt. Diese verbrauchen weniger Energie, leuchten aber auch heller als die zuvor verwendeten Alternativen. Eine Auswertung von Satellitenbildern zeigte nun aber auch: Straßenlaternen sind nur für rund zwanzig Prozent der dort zu sehenden Lichtpunkte verantwortlich. Der Rest setzt sich aus Fenstern, beleuchteter Werbung und öffentlichen Veranstaltungsplätzen zusammen. Dies zeigt schon, dass eine Strategie gegen die Lichtverschmutzung möglichst breitflächig angelegt werden muss. Eine Maßnahme wird innerhalb der Bundesregierung bereits diskutiert: Himmelsscheinwerfer sollen teilweise verboten werden.


Via: Nature

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