Das Problem beginnt mit einer simplen Tatsache: In Deutschland fällt mehr Plastikmüll an als hierzulande recycelt, vergraben oder verbrannt werden kann. Folgerichtig müssen jedes Jahr nicht unerhebliche Mengen exportiert werden. Lange Zeit geschah dies weitgehend außerhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Kunststoff-Abfälle wurden nach China gebracht und dort mehr oder weniger fachgerecht recycelt. Für beide Seiten war dies eine aus der Not geborene Win-Win-Situation: Deutschland wurde seinen Müll los und China konnte diesen aufgrund der billigen Arbeitskräfte als Rohstoff nutzen. Irgendwann aber war der chinesischen Regierung die Belastung für die Umwelt dann doch zu groß und es wurde ein Importverbot verhängt. Seitdem suchen zahlreiche Industrieländer händeringend neue Abnehmer für den auch weiterhin anfallenden Plastikmüll.


Die lokale Bevölkerung leidet unter der illegalen Entsorgung

Auf den ersten Blick scheint dies gelungen zu sein. Denn andere asiatische Länder – etwa Indien, Vietnam und Indonesien – erklärten sich bereit, zusätzliche Mengen aufzunehmen. Dort allerdings fehlt es an den notwendigen Strukturen. Deshalb landet ein Großteil des Mülls auf illegalen Deponien und Recyclinganlagen oder wird einfach verbrannt. Inzwischen hat sich sogar die internationale Polizeiorganisation Interpol der Thematik angenommen und warnt: Das Geschäft wird in vielen Ländern von der Müll-Mafia kontrolliert. Zu leiden hat hingegen die örtliche Bevölkerung, die von einer hohen Luftverschmutzung und sonstigen Belastungen für die Umwelt betroffen ist. Von den deutschen Müllexporten nach Südostasien profitieren also in erster Linie einige Verbrecherorganisationen – während die normale Bevölkerung die Probleme ausbaden muss.


Zwei Ansätze könnten das Problem lösen

Gleichzeitig sorgt die Müll-Mafia aber auch dafür, dass zumindest ein Teil des unfachmännisch entsorgten Mülls anschließend als recycelt deklariert wird. Die offiziellen Recycling-Zahlen, die in vielen Ländern ohnehin schon nicht besonders hoch sind, sind daher mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Zur Lösung des Problems gibt es zwei Ansätze. Kurzfristig sollte es verboten werden, verunreinigten Plastikmüll zu exportieren. Wenn dieser in Südostasien ohnehin verbuddelt wird, kann dies auch auf deutschen Müllkippen geschehen. Ebenso ist es deutlich besser, die Kunststoffe verbrennen in einer deutschen Müllverbrennungsanlage als auf einem indischen Feld. Langfristig werden wir aber nicht darum herumkommen, entweder das Recycling hierzulande massiv auszubauen oder schlicht die jährlich anfallende Menge an Plastikmüll so weit wie irgendwie möglich zu reduzieren.

Via: Klimareporter

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