Jedes Jahr spucken Flüsse Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer. Dazu kommen die Abfälle, die die Schifffahrt illegal entsorgt. In manchen Regionen bilden sich quadratkilometergroße Inseln aus Kunststofftaschen und anderem Müll. Doch die wirklich gefährlichen Teilchen sieht man nicht. Sie sind so klein, das Lebewesen im Meer sie für Nahrung halten und verschlucken. Teilweise sinken die Partikel, obwohl eigentlich leichter als -Wasser, auf Grund von Strudeln, Wellen und Strömungen in die Tiefe.


Expedition mit dem Forschungsschiff „Sonne“

Mit dem Projekt HOTMIC wollen Forscher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel (Geomar) zehn weiterer europäischer Institutionen herausfinden, wohin der Plastikmüll transportiert wird. Ein Team um Aaron Beck hat sich auf dem Forschungsschiff „Sonne“ einquartiert, um den Nordatlantik systematisch zu durchforsten. Bisher ist der Verbleib von weniger als zehn Prozent der Problemabfälle bekannt.


Probenahmen an acht Stationen

Bis zum 5. Januar – dann kommt die „Sonne“ zurück in den Hafen Emden – sammelt das Team Proben an acht zuvor festgelegten Punkten. „Zwei davon befinden sich westlich von Frankreich und Spanien und decken damit den vermuteten Weg des Plastiks vom Kontinent zu den großen Müllwirbeln ab“, so Beck. „Die restlichen sechs befinden sich im zentralen Atlantik südlich der Azoren.“

Mit Spezialnetzen und Bohrern

An allen Stationen nehmen die Forscher Proben in mehreren Tiefen bis kurz oberhalb des Meeresbodens. Dazu setzen sie Spezialnetze ein, in denen Plastikfetzen hängenbleiben. Außerdem ziehen sie Sedimentkerne aus dem Boden, die auf Kunststoffverunreinigungen untersucht werden. Mit Kameras suchen sie den Meeresboden nach größeren Plastikteilen ab. „Außerdem ist für uns wichtig zu sehen, welche Tiere und Planktonorganismen dort leben und möglicherweise mit dem Plastik interagieren“, so Beck. Studien deuten darauf hin, dass die Biologie eine wichtige Rolle beim Transport des Plastiks von der Oberfläche Richtung Tiefsee spielen könnte.
Zusätzlich liefert die aktuelle Expedition auch Daten und Proben für das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt PLASTISEA (Harvesting the marine Plastisphere for novel cleaning concepts), das sich mit potenziellen mikrobiologischen Abbauprozessen von Kunststoffen im Meer beschäftigt.

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