32 Prozent aller Kinder kommen in Deutschland derzeit per Kaiserschnitt zur Welt, damit hat sich die Sectio-Rate seit dem Jahr 1994 beinahe verdoppelt. In der EU lag der Durchschnitt 2010 bei 25 Prozent, insgesamt belegt unser Land in Europa also einen Top-Platz. Da liegt die folgende Frage fast schon auf der Hand: Welche Auswirkungen hat ein Kaiserschnitt eigentlich konkret auf die Kinder – gibt es negative Nachwirkungen?


Sectio-Kinder sind tatsächlich öfter krank

Die Techniker Krankenkasse nahm ihre eigenen Abrechnungsdaten zur Hand, um herauszufinden, ob Kaiserschnittkinder im späteren Leben häufiger mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Der Kasse lagen die Daten von beinahe 39.000 Kindern vor, die im Jahr 2016 ihren achten Geburtstag feierten. Rund 12.000 davon kamen per Sectio zur Welt, und sie lagen bei einigen Krankheiten tatsächlich deutlich vor ihren Altersgenossen. So wiesen per Kaiserschnitt geborene Kinder zu 11 Prozent häufiger Verhaltensstörungen auf, zu 9,5 Prozent kämpften sie öfter mit Bronchitis und zu 9 Prozent mehr mit Allergien. Aus den Daten geht nicht hervor, ob ein Baby geplant »geholt« wurde oder es sich um eine Not-Sectio handelte.


Grund für die Erkrankungen muss nicht in der Sectio liegen

Nach einer Kaiserschnittgeburt besteht also tatsächlich ein höheres Risiko für das Kind, verschiedene Gesundheitsprobleme zu bekommen. Doch ist es nicht geklärt, ob es die Sectio selbst ist, die diese Krankheiten verursacht. Es könnte auch möglich sein, dass in den jeweiligen Familien bestimmte Risiken vorherrschen und die Mütter genau deswegen während der Schwangerschaft Probleme bekamen, die schließlich in einem Kaiserschnitt mündeten. Eventuell resultieren die Gesundheitsprobleme der Kinder auch aus einer schlechten Ernährung der Schwangeren oder die Mütter haben geraucht. Vielleicht wurden viele der Kaiserschnitt-Kinder auch nicht gestillt, dies kann ebenfalls einen Einfluss auf die spätere Gesundheit haben.

Der Techniker Krankenkasse geht es nach eigener Aussage nicht um die Verurteilung sinnvoller Sectios, sondern darum, die Frage zu klären, ob die Art der Geburt unsere Gesundheit beeinflusst. Eine Möglichkeit, der Antwort noch ein gutes Stück näherzukommen, wäre es, Schwangere und junge Mütter über einen längeren Zeitraum regelmäßig zu befragen und dabei mehr Faktoren wie zum Beispiel Stillen und Übergewicht mit ins Spiel zu bringen. Auch Geschwisterstudien könnten eine größere Aussagekraft entfalten, wenn zwei Kinder einer Familie auf unterschiedlichem Weg zur Welt gekommen sind. Wenn eine größere Datenfülle vorliegt, lassen sich deutlich schärfere Aussagen treffen.

Quelle: badische-zeitung.de

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