Ein internationales Forscherteam hat bei der Bekämpfung von Fetlleibigkeit einen interessanten neuen Ansatz verfolgt. Anstatt sich direkt mit adipösen Personen zu beschäftigen und zu schauen, warum diese übergewichtig wurden, sind die Wissenschaftler den umgekehrten Weg gegangen: Sie untersuchten die Genomdaten von mehr als 40.000 schlanken und dünnen Esten. Die Idee dahinter: Vielleicht gibt es ja hier – neben der Ernährung – einen weiteren Faktor, der dazu beigetragen hat, dass diese Personen nicht dick geworden sind. Tatsächlich stießen sie ihm Rahmen dieser Forschungen auf das sogenannte ALK-Gen. Der etwas lustig klingende Name kommt zustande, weil das Gen ein Protein namens Anaplastische Lymphomkinase kodiert. Aus anderen Studien ist zudem bereits bekannt, dass dieses Zusammenspiel auch bei der Entstehung von Lungenkrebs eine Rolle spielen kann.


Bei Mäusen und Fruchtfliegen war der Ansatz schon erfolgreich

Diesem Punkt gingen die Forscher nun aber zunächst nicht weiter nach. Stattdessen fanden sie heraus, dass die Aktivität des Gens auch mit relevanten Aspekten wie dem Taillenumfang, dem Cholesterinspiegel und dem Blutzuckerhaushalt in Zusammenhang steht. Experimente an Tieren haben dies bereits bestätigt. So sorgte die Ausschaltung des Gens bei Fruchtfliegen dafür, dass sich die Blutfettwerte verringerten. Mäuse wiederum wurden dadurch deutlich schlanker. Mehr noch: Selbst bei ungesunder und fettreicher Ernährung legten die Tiere nicht an Gewicht zu. Weitere Untersuchungen zeigten zudem, dass das Protein seine schlank machende Wirkung im Gehirn – oder genauer: im Hypothalamus – entfaltet. Dort wird unter anderem der Energieaufwand der Fettorgane gesteuert. Bei Mäusen konnte nun nachgewiesen werden, dass ohne das ALK-Gen eine höhere Konzentration des Stresshormons Noradrenalin in den entsprechenden Organen entsteht. Dadurch steigt die Fettverbrennung.


Die Nebenwirkungen müssen noch genauer untersucht werden

Diese Beobachtung deckt sich auch mit den Erkenntnissen der eingangs erwähnten umfassenden Genom-Analyse bei den schlanken Einwohnern Estlands. Eine mögliche Behandlungsmethode für Fettleibigkeit scheint somit auf der Hand zu liegen: Durch eine gezielte Hemmung des ALK-Gens könnte der Körperfettanteil reduziert werden. Wie so oft in der medizinischen Forschung ist nun aber zunächst einmal Geduld gefragt. Denn die Ergebnisse der Grundlagenforschung müssen jetzt erst einmal überprüft und validiert werden. Anschließend wird es vor allem darum gehen, mögliche Nebenwirkungen einer gezielten Hemmung des Gens zu untersuchen. Erst dann kann abgewogen werden, ob der potentielle Nutzen tatsächlich höher liegt als die zu erwartenden Nebenwirkungen. Die Ergebnisse der jetzt vorgelegten Forschungsarbeit sind aber so interessant, dass der Ansatz auf jeden Fall zeitnah weiterverfolgt werden dürfte.

Via: Der Standard

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