Leberkrebs gilt bisher in Deutschland als noch vergleichsweise selten auftretende Krebsart. Allerdings ist die Zahl der Fälle ansteigend. Besonders tückisch zudem: Die Mehrzahl der Erkrankungen wird erst in einem späten Stadium erkannt. Dann besteht mit den aktuellen Behandlungsmethoden kaum noch eine Heilungschance. Für etwas Hoffnung könnte nun aber ein Experiment an der University of Michigan sorgen. Dort versuchten die Forscher Lebertumore mithilfe von nicht-invasiven Ultraschallwellen zu zerstören. Bei Menschen wurde die Technik allerdings nicht als erstes getestet. Stattdessen wurden Versuche bei Ratten durchgeführt. Diese Form der Behandlung wird auch als Histotripsie bezeichnet und ist noch vergleichsweise neu. Vereinfacht ausgedrückt sorgen die von einem Schallkopf ausgesendeten Wellen dafür, dass in dem schädlichen Gewebe kleine Bläschen entstehen. Diese sorgen dafür, dass sich das Gewebe zunächst aufbläht, dann in sich zusammenfällt und schließlich verschwindet.


Bild: Marcin Szczepanski, Michigan Engineering

Ein Teil der Tumorzellen kann erfolgreich zerstört werden

Nebenwirkungen wie bei der Chemotherapie oder der klassischen Bestrahlung konnten bisher nicht beobachtet werden. Bei den Ratten war zudem auch die Krebsbekämpfung durchaus erfolgreich. So gelang es den Forschern auf diese Weise bis zu 75 Prozent des Tumors zu zerstören. Anschließend war das Immunsystem der Tiere selbst in der Lage, die übrig gebliebenen gefährlichen Zellen zu bekämpfen. Dies macht durchaus Hoffnung, dass hier ein Durchbruch beim Kampf gegen den Krebs gelungen sein könnte. Zu einhundert Prozent funktioniert der Ansatz bisher allerdings noch nicht. So traten bei knapp zwanzig Prozent der Tiere später dennoch Metastasen oder eine erneute Krebserkrankung auf. Inwiefern sich dieser Wert bei einer längeren Beobachtung noch erhöhen könnte, muss zudem noch untersucht werden. Dennoch sind die Forscher optimistisch mit ihrem Ansatz die Krebserkrankung zumindest eindämmen und die Gefahr von Metastasen verringern zu können. Dies würde schon eine entscheidende Verbesserung gegenüber der aktuellen Situation darstellen.

Erste Studien mit menschlichen Probanden haben begonnen

Gleichzeitig muss aber vor all zu viel Euphorie gewarnt werden. Denn noch steht der Einsatz der Technologie beim Kampf gegen den Krebs ganz am Anfang. Der erfolgreiche Test bei Ratten hat nun aber zumindest dafür gesorgt, dass auch erste Versuche bei menschlichen Patienten in Angriff genommen wurden. Entsprechende Studien laufen aktuell in Europa und den Vereinigten Staaten. Sollten sich hier die vielversprechenden Ergebnisse bestätigen, wäre dies ein weiterer Schritt hin zu einer standardmäßigen Verwendung der neuen Behandlungsmethode. Ein Zeitrahmen bis zur vollständigen Zulassung lässt sich aktuell aber noch nicht seriös benennen. Währenddessen arbeiten Forscher bereits an weiteren Einsatzmöglichkeiten für die Histotripsie. Erste Studien haben ebenfalls erfolgreiche Ansätze bei der Behandlung von Gehirnerkrankungen und im Rahmen von Immuntherapien hervorgebracht. Auch hier soll das Thema nun intensiv weiter verfolgt werden.


Via: University of Michigan

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