Manchmal muss das Rad gar nicht neu erfunden werden, sondern es reicht, schon existierende Entwicklungen zu optimieren. Dies hat sich beispielsweise die finnische Firma Norsepower auf die Fahnen geschrieben. Das Unternehmen vertreibt ein sogenanntes Rotorsegel. Die grundlegenden theoretischen Arbeiten dazu lieferte der Strömungsforscher Ludwig Prandtl zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Daraus wiederum entwickelte dann der deutsche Ingenieur Anton Flettner den nach ihm benannten Flettner-Rotor. Dabei handelt es sich um einen rotierenden Zylinder, der vom sogenannten Magnus-Effekt profitiert. Konkret wird durch die Bewegung des Zylinders der Luftstrom abgelenkt: Auf der einen Seite des Zylinders wird die Luft beschleunigt, sodass dort ein Unterdruck entsteht, während auf der anderen Seite die langsamere Luft einen Überdruck zur Folge hat.


Die Windrichtung in der Ostsee bietet ideale Bedingungen

Dieser Magnus-Effekt hat nun zur Folge, dass eine Antriebskraft quer zu Luftströmung entsteht. Weil auf der Ostsee der Wind in der Regel aus dem Westen kommt, kann das Rotorsegel also besonders effektiv für Fahrten von Norden nach Süden und zurück genutzt werden. Hier wiederum kommt die Fähre Copenhagen ins Spiel, die Rostock mit der dänischen Insel Falster verbindet. Das Schiff gehört der deutsch-dänischen Fährgesellschaft Scandlines und besitzt bereits einen vergleichsweise umweltfreundlichen Hybridantrieb. Im zweiten Quartal des nächsten Jahres soll nun zusätzlich noch ein Rotorsegel der Firma Norsepower installiert werden. Die Nutzer der Fähre dürften die Veränderung recht schnell bemerken. Immerhin handelt es sich um einen Zylinder mit einer Höhe von dreißig Metern und einem Durchmesser von fünf Metern. Ein bisschen erinnert die Konstruktion daher an einen klassischen Schornstein.


Die ursprüngliche Erfindung wurde deutlich weiter entwickelt

Anders als dieser stößt das Rotorsegel aber keine Schadstoffe aus, sondern verbessert sogar die Umwelt- und Klimabilanz der Fähre. Denn Scandlines geht davon aus, dass die CO2-Emissionen durch den modernen Flettner-Rotor um vier bis fünf Prozent gesenkt werden können. Das klingt erst einmal nicht nach besonders viel, ergibt bei einer täglichen Nutzung am Ende des Jahres aber doch eine signifikante Einsparung. Die Ingenieure bei Norsepower versprechen zudem, dass sie wichtige Verbesserungen gegenüber den klassischen Modellen implementieren konnten. So besteht der Zylinder inzwischen aus Kohlenstoff- und Glasfasern, was einerseits für Sicherheit und Stabilität sorgt, andererseits aber das Gewicht deutlich reduziert. Außerdem soll der Rotor nun einfacher zu nutzen sein und sich schneller drehen als in der Vergangenheit. Bisher wurden zwar erst drei Schiffe tatsächlich umgerüstet, weitere Aufträge gibt es aber bereits.

Via: Scandlines

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2 Kommentare

  1. Achmed Khammas

    27. August 2019 at 20:23

    Zur Geschichte und dem bisherigen Stand bei den Flettner-Rotoren siehe hier: http://www.buch-der-synergie.de/c_neu_html/c_08_08_01_flettner.htm

  2. jogi

    28. August 2019 at 15:09

    Schön, dass bereits Bekanntes so schnell in die Praxis umgesetzt und verbessert wird. Ich frage mich allerdings weshalb die Flettner Rotoren, die ich bisher gesehen habe, alle eine flache Oberfläche haben. Könnte der Magnus-Effekt nicht noch viel besser funktionieren, wenn der Rotor mit Schaufeln ausgestattet wäre (wie ein Braunkohlebagger). Der Überdruck an der Seite, wo der Wind in die Schaufel strömt, müsste doch wesentlich höher sein, damit der Die Druckdiffernez der beiden Seiten. Die resultierende Antriebskraft wäre dann auch höher. Man müsste allerdings mehr Energie in die Rotation stecken, da der Luftwiderstand des Rotors größer wird

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