Eigentlich ist Mauritius eine Erfolgsgeschichte. Als der Staat, der rund 1.800 Kilometer vor der afrikanischen Küste liegt, 1968 unabhängig wurde, prophezeiten die meisten Experten eine düstere Zukunft. Denn das einzige Exportprodukt des Landes war Zuckerrohr. Tatsächlich gelang es den Regierungen in der Folgezeit aber, diese Abhängigkeit zu reduzieren. Heute gibt es eine florierende Textilindustrie und das Land hat sich zu einem internationalen Finanzplatz entwickelt – auch wenn dieser aufgrund der oftmals etwas laxen Kontrollen international nicht unumstritten ist. Die meisten Einnahmen stammen inzwischen aber zweifelsohne aus dem Tourismus. Im vergangenen Jahr kamen mehr Touristen nach Mauritius als das Land Einwohner hat. Doch eine gewaltige Ölkatastrophe könnte diese Erfolgsgeschichte nun abrupt beenden.


Bisher war Mauritius vor allem für traumhafte Strände bekannt. Bild: Gemeinfrei

Menschliche Haare können Öl dauerhaft binden

Denn das japanische Frachtschiff MV Wakashio ist in der Nähe der berühmten Strände auf ein Korallenriff gelaufen. Durch die Beschädigungen gelangten schließlich auch große Mengen an Treibstoff in den Ozean. Die sonst auf vielen Fotos dominierende Farbe blau wurde daher inzwischen an vielen Stränden durch pechschwarzes Öl verdrängt. Die Regierung des Landes reagierte auf die Katastrophe, indem der Umweltnotstand ausgerufen wurden. Außerdem wurden schwimmende Barrieren rund um das havarierte Schiff gelegt, um das Öl möglichst an Ort und Stelle zu halten. Auch die Bewohner des Landes versuchen alles in ihrer Macht stehende, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Weil bekannt wurde, dass menschliche Haare Öl aufnehmen können, schnitten sich zahlreiche Menschen sogar ihre Haare ab und eilten damit an die Strände. Dort werden diese in Nylonplanen gepackt und als Öl aufnehmende Barriere verwendet.

Frankreich hat bereits Hilfe entsandt

Selbst dieser außergewöhnliche Einsatz dürfte aber nicht ausreichen, um das Problem in den Griff zu kriegen. Die Regierung hat daher die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten. Das Problem allerdings: Die theoretisch direkten Nachbarländer Indien und Südafrika sind zu weit entfernt, um zeitnah helfen zu können. Immerhin befindet sich auf La Reunion ein französischer Militärstützpunkt in der Nähe. Präsident Emmanuel Macron beorderte inzwischen ein Aufklärungsflugzeug, ein Schiff sowie Spezialkräfte nach Mauritius. Die japanische Reederei hat zudem damit begonnen, Öl aus dem Wrack abzupumpen und in einen daneben liegenden Tanker zu füllen. Das ursprüngliche Leck konnte inzwischen immerhin abgedeckt werden. Noch aber besteht die Gefahr, dass das Schiff auseinander bricht und noch einmal rund 2.000 Tonnen Rohöl freisetzt.


Die Folgen für die Umwelt sind extrem langlebig

Selbst wenn es gelingen sollte, zu verhindern, dass weiteres Öl austritt, stehen langwierige Aufräumarbeiten an. Auch hier wird die Regierung auf ausländische Hilfe angewiesen sein. Denn aktuell mangelt es massiv an der erforderlichen Spezialausrüstung. Viele Einwohner versuchen daher im Moment, mit Eimer und Schaufel die größten Schäden zu beseitigen. Da aber immer neue Ölteppiche an Land gespült werden, scheint dies ein eher hoffnungsloses Unterfangen zu sein. Untersuchungen im Anschluss an die Ölkatastrophe der Deepwater Horizon haben zudem gezeigt, dass die Auswirkungen auf die Natur extrem langlebig sind. Bis heute lassen sich etwa Rückstände des Öls in Fischen im Golf von Mexiko nachweisen. Der ehemalige Greenpeace-Mitarbeiter Sunil Dowarkasing macht sich daher auch auf Mauritius keine Illusionen: „Wir werden niemals in der Lage sein, alle Schäden zu beseitigen. Doch wir können versuchen, die Folgen so stark wie möglich abzumildern.“

Via: Electrek

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