Schon die Germanen stellten Mäntel aus Hanf her. Bis ins 19. Jahrhundert handelte es sich um den wichtigsten Rohstoff der Textilindustrie hierzulande. Heute hingegen ist der Anbau von Nutzhanf in Deutschland eine Seltenheit. Dies hängt nur teilweise mit der Drogenpolitik zusammen, die den Anbau erschwert. Denn schon zuvor war der Hanf in der Kleidungsproduktion durch die deutlich leichter zu verarbeitende Baumwolle ersetzt worden. Bis heute werden daher jährlich weltweit 25 Millionen Tonnen an Baumwollfasern hergestellt. Hinzu kommen noch einmal 40 Millionen Tonnen an Kunstfasern. Wer Kleidung aus Hanffasern kaufen möchte, muss hingegen oftmals lange suchen. Inzwischen spielt das Thema Nachhaltigkeit aber auch in der Bekleidungsindustrie eine immer größere Rolle. Genau hier kommt dann auch die Hanffaser ins Spiel. Denn sie verbraucht zum einen deutlich weniger Wasser als Baumwolle. Zum anderen kommt sie ohne den Einsatz von Pestiziden aus.


Noch ist die industrielle Hanfernte kein besonders oft gesehenes Bild auf deutschen Äckern. Bild: Aleks, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

73 Hanfsorten dürfen offiziell angebaut werden

Die aus Hanffasern hergestellte Kleidung gilt zudem als atmungsaktiv und antibakteriell. Bisher müssen Kunden aber teilweise recht tief in die Tasche greifen, um entsprechende Produkte zu kaufen. Die Fasern stammen zudem oftmals aus China, was den ökologischen Vorteil unnötig schmälert. In den letzten Jahren hat aber auch hierzulande die Produktion von Nutzhanf langsam wieder Fahrt aufgenommen. Insgesamt gibt es 73 Sorten, die offiziell angebaut werden dürfen. Bei diesen ist der Gehalt an psychoaktivem THC so gering, dass keine Zweckentfremdung befürchtet wird. Immerhin 17 dieser Sorten werden auf 6.444 Hektar auch bereits angebaut. Zumeist werden daraus allerdings Lebensmittel und nicht psychoaktive Cannabinoide hergestellt. Für die Verwendung in der Textilindustrie fehlt es hingegen noch an der verarbeitenden Industrie. So gibt es 863 Betriebe, die Nutzhanf anbauen, aber nur drei Unternehmen machen aus dem Hanfstroh dann tatsächlich auch Textilfasern.

Nutzhanf ist auch sonst vielseitig einsetzbar

Dies dürfte sich in den nächsten Jahren allerdings ändern. So befinden sich gleich fünf Textilfabriken für Hanffasern bereits in Planung. Wie immer dürfte auch hier gelten: Je stärker die Produktion skaliert werden kann, desto günstiger wird die Kleidung aus Hanffasern später einmal. Ohnehin kann Nutzhanf schon heute bei gleicher Herkunft und Qualität oftmals preislich mit Baumwolle mithalten. Es ist allerdings grundsätzlich nicht ganz einfach, etablierte Prozesse, wie sie bei der Verarbeitung von Baumwolle existieren, einfach zu ersetzen. In der Textilindustrie scheint die ganz große Preissensibilität aber etwas in den Hintergrund zu rücken. Stattdessen gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung. Hier scheinen Hanffasern sich nach und nach wieder etablieren zu können. Auch abgesehen von der Bekleidungsindustrie kann sich der Anbau lohnen. Aus Nutzhanf können auch Öle, Papier, Baustoffe und Energie gewonnen werden.


Via: Taz

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1 Kommentar

  1. Achmed Khammas

    23. September 2022 at 20:43

    …dabei gab es schon 1996 – als der Nutzhanf wieder erlaubt wurde – das grandiose dreitäge Festival ERNTE’96 in der ufafabrik in Berlin … mit Vorträgen aus Medizin, Recht und Industrie, sowie Ausstellungen, Modeschauen, einem großen Messezelt und vielem mehr, das vom damaligen Brandenburger Umweltminister Matthias Platzeck persönlich eröffnet wurde und sogar in der thailändischen Presse erwähnt wurde, siehe: http://www.khammas.de/ernte_96.html

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