Mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung leben bereits jetzt unter einem anormal hellen Nachthimmel. Eine Untersuchung von Forschern der Comenius Universität in Bratislava ergaben, dass die diffusen Reflexionen von Satelliten und Weltraumschrott einen überraschend hohen Anteil an der Lichtverschmutzung haben. Dieser sei inzwischen so gravierend, dass es auf der ganzen Welt keinen absolut dunklen Ort mehr gäbe. Und in Zukunft werde dieses Problem nur noch zunehmen.


Orbitales Streulicht macht die Erde heller

Wirklich dunkle Gebiete sind auch in Deutschland Mangelware. Die Lichtverschmutzung nimmt auch hierzulande immer weiter zu. Diese Aufhellung der Nächte ist nicht nur bei astronomischen Beobachtungen eher hinderlich, sondern sie wirkt sich sowohl bei Menschen als auch bei vielen Tieren auf die innere Uhr aus.


Wie sich herausstellte, sind irdische Lichtquellen nicht das einzige Problem in Sachen Lichtverschmutzung. Auch Satelliten oder größere Stücke Weltraumschrott tragen ihren Anteil bei. „ In diesen Höhen bleiben auch Weltraumobjekte auf der Nachtseite der Erde vom Sonnenlicht angestrahlt. Dadurch erscheinen diese Objekte in Teleskopaufnahmen als helle Streifen„, erklärt Miroslav Kocifaj von der Comenius Universität in Bratislava.

Außerdem verursachen diffuse Reflexionen des Sonnenlichts an den Satelliten Streulicht. Inzwischen gibt es etwa 3.400 aktive Satelliten und mehrere Zehntausend größere Weltraumschrott-Stücke. Wie weit diese sich auf die Lichtverschmutzung auf der Erde auswirken, war bislang unbekannt. Kocifaj und seine Kollegen wollten dieser Frage nachgehen und schufen ein Modell, dass berechnen kann, wie viel Sonnenlicht im Schnitt von einem Objekt reflektiert wird und welchen Anteil dieses reflektierten Lichts wir als Streulicht auf der Erde wiedersehen.

Es gibt keine absolute Dunkelheit mehr

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass allein die bereits existierenden Objekte in der Umlaufbahn ausreichen, um die Nacht im Schnitt um 16 bis 20 Mikrocandela pro Quadratmeter zu erhellen. Das entspricht etwa zehn Prozent der natürlichen Helligkeit in der Nacht. 1979 hat die International Astronomical Union (IAU) 1979 eine Obergrenze für die Lichtverschmutzung an astronomischen Standorten festgelegt. Diese wird nun allein durch das Streulicht überschritten. Kocifaj und seine Kollegen warnen außerdem davor, dass bei weitem nicht alle orbitalen Objekte identifiziert sind und das wahre Ausmaß der Lichtverschmutzung aus dem All deutlich höher sein könnte.

Die Auswirkungen der orbitalen Objekte seien auch fernab von irdischen Lichtquellen messbar, was dazu geführt habe, dass es keinen wirklich dunklen Ort auf der Erde mehr gibt. Dies mache die Arbeit vieler astronomischer Observatorien bereits heute schwierig. „Astronomen errichten ihre Observatorien fernab der Städte um einen möglichst dunklen Himmel zu haben, aber diese Form der Lichtverschmutzung erreicht auch diese Orte„, so die Forscher. Hinzu kommt, dass das Team nur die sichtbaren Wellenbereiche des Lichts untersucht und berechnet hat. Inwieweit das Infrarotspektrum beeinträchtigt wird, ist nicht bekannt.

Es wird noch schlimmer

Und das Problem wird in Zukunft nur deutlicher werden. So werden allein für Projekte wie das orbitale Internet in den nächsten Jahren Tausende neue Satelliten ins All geschossen werden. Die Auswirkungen von den Satelliten von Starlink, Amazon, OneWeb und anderen Unternehmen sind bereits jetzt zu erkennen.

In Zukunft werden wahrscheinlich zehntausender dieser kleinen Satelliten um die Erde kreisen. „Unsere Resultate legen nahe, dass dann weit mehr Menschen als nur die Astronomen den Anblick des nächtlichen Himmels verlieren„, erklären die Forscher.

via International Dark-Sky Association

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