In Deutschland landet das meiste Schmutzwasser in einer Kläranlage. Am Ende der dort durchgeführten Reinigungsprozesse bleibt dann allerdings noch der sogenannte Klärschlamm übrig. Dieser stinkt nicht nur gewaltig, sondern ist auch mit zahlreichen Schwermetallen belastet. Bisher findet die Entsorgung auf nicht ganz unumstrittene Art und Weise statt: Der Klärschlamm wird von den Bauern auf den Feldern ausgebracht. Dadurch sollen sich die enthaltenen Schadstoffe so verteilen, dass keine Gefahr für die Bevölkerung mehr besteht. In spätestens zehn Jahren ist diese Vorgehensweise allerdings nicht mehr erlaubt. Dafür sorgt die sogenannte Klärschlammverordnung. Dadurch aber rückt der Klärschlamm als Rohstoffquelle in den Fokus zahlreicher Wissenschaftler.


Von Louis-F. Stahl, CC BY-SA 3.0 de, Link
Von Louis-F. Stahl, CC BY-SA 3.0 de, Link

Aus Klärschlamm wird im besten Fall Biobenzin

Am Fraunhofer-Institut in Sulzbach-Rosenberg beispielsweise arbeitet man an einem Verfahren namens „thermo-katalytisches Reforming“. In einem ersten Schritt wird der Schlamm dabei unter Luftabschluss erhitzt – was man als Pyrolyse bezeichnet. Anschließend wird die übrig gebliebene Substanz mit Gas behandelt. Letztlich erhält man dadurch drei Bestandteile: Asche, Öl und übrig gebliebenes Gas. Entscheidend ist allerdings die folgende Weiterverarbeitung. So kann das Öl genutzt werden, um daraus Biodiesel oder Biobenzin herzustellen. Aus der Asche wiederum lässt sich Phosphordünger gewinnen, während das Gas als Stickstoffquele dienen kann. Anfang nächsten Jahres soll eine erste Anlage den Betrieb aufnehmen, in der das Verfahren im großen Stil ausprobiert werden kann.

Bald muss Phosphor aus Klärschlamm zurückgewonnen werden

Die meisten Entsorgungsunternehmen setzen bisher allerdings noch auf eine andere Lösung. So wird in Hildesheim und anderen Städten an Plänen für spezielle Verbrennungsanlagen gearbeitet. Dadurch kann aus dem Klärschlamm zumindest noch Energie gewonnen werden. Aber auch hier wird der Gesetzgeber zukünftig strengere Regeln etablieren. So werden die Betriebe ab dem Jahr 2029 verpflichtet, den im Schlamm befindlichen Phosphor zurückzugewinnen. Theoretisch ließe sich dadurch rund die Hälfte des deutschen Phosphor-Verbrauchs decken. Noch ist aber nicht abschließend geklärt, wie der Rohstoff aus dem thermisch verwerteten Klärschlamm zurückgewonnen werden kann. Einige Unternehmen arbeiten an Ansätzen, die die entstehende Asche nutzen. Noch ist aber unklar, ob dieser Weg erfolgreich sein wird.


Via: Wiwo

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