Die Forschung hat in den letzten Jahren massive Fortschritte bei der Behandlung von Krebserkrankungen gemacht. Noch immer gilt aber die Devise: Je früher der Krebs erkannt ist, desto größer ist auch die Chance auf eine vollständige Heilung. Auch in diesem Punkt konnte durch Vorsorgeuntersuchungen und regelmäßige Screenings zwar schon viel erreicht werden. Es besteht aber auch noch erhebliches Verbesserungspotential. Denn bisher sind die Untersuchungen oftmals aufwändig und nur auf eine Art von Krebs beschränkt. Eine groß angelegte Pilotstudie des britischen Gesundheitsdiensts NHS möchte nun dazu beitragen, dies zu ändern. Insgesamt 165.000 Probanden sollen dabei einen neuartigen Bluttest erproben. Dieser trägt den Namen Galleri und wurde von der kalifornischen Firma Grail entwickelt. Das Versprechen: Der Test soll 50 Krebsarten nicht nur erkennen, sondern auch im Körper lokalisieren können.


Eine noch größere Studie ist bereits in Planung

Die Funktionsweise des Tests basiert auf der Analyse von molekularen Veränderungen im Blut der Patienten. In den nächsten drei Jahren werden die Probanden, von denen 140.000 bisher über keinerlei Symptome verfügen, einmal jährlich eine Blutprobe abgeben. Parallel dazu kommen auch klassische Ansätze wie CT- und MRT-Untersuchungen zum Einsatz. Im Anschluss soll sich dann ein erstes Bild ergeben, ob der Test tatsächlich zur frühzeitigen Erkennung von Krebserkrankungen beitragen kann. Fällt das Fazit der Forscher positiv aus, soll anschließend eine noch größere Studie mit mehr als einer Million Teilnehmern gestartet werden. Ein ambitioniertes Ziel hat der britische Gesundheitsdienst bereits ausgegeben: Der Anteil der schon im Frühstadium erkannten Krebserkrankungen soll von heute fünfzig Prozent auf 75 Prozent gesteigert werden. Dadurch würde sich die Heilungschance von zahlreichen Patienten massiv erhöhen.


Noch sind die Ergebnisse eher ambivalent

Frühere Untersuchungen mit dem Galleri-Test kamen zu gemischten Ergebnissen. So wurden im Rahmen einer Studie mit 6.689 Personen tatsächlich mehr als 50 Krebsarten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien identifiziert. Kritiker verweisen allerdings darauf, dass der Test laut den bisher zur Verfügung stehenden Daten nur 25 Prozent der Krebserkrankungen im Frühstadium erkennt. Selbst im Spätstadium steigt dieser Wert auf lediglich 50 Prozent. Ein negativer Bluttest könnte so ein – möglicherweise falsches – Sicherheitsgefühl erzeugen. Unklar ist zudem noch, wie hoch der Anteil der falsch-positiven Ergebnisse ist. All dies soll nun im Rahmen der großen Pilotstudie des NHS genau untersucht werden. Im besten Fall könnten dann noch in diesem Jahr erste routinemäßige Untersuchungen mit dem neuen Bluttest stattfinden. Genau so gut ist es aber auch möglich, dass die dahinter stehenden Wissenschaftler noch einmal nacharbeiten müssen.

Via: The Guardian

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