Windräder produzieren mal mehr und mal weniger Ökostrom. Für die Netzbetreiber ist dies eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Um die Sicherheit der Stromversorgung nicht zu gefährden, müssen sie daher manchmal zu drastischen Maßnahmen greifen und Windräder vorübergehend vom Netz nehmen. Die Betreiber werden dann für die entgangenen Einnahmen entschädigt. Alleine im Jahr 2020 gingen auf diese Weise rund 5,9 Terawattstunden Windstrom verloren. Dies bedeutet aber auch: Gelänge es diese sogenannte Ausfallarbeit zu verringern, könnte die Menge an produziertem Windstrom erhöht werden, ohne dass ein einziges neues Windrad gebaut werden müsste. Besonders stark betroffen von der Problematik ist der Norden Deutschland. Denn dort stehen überdurchschnittlich viele Windräder. In Hamburg will man überschüssigen Windstrom daher zukünftig nutzen, um Fernwärme zu erzeugen und in das öffentliche Netz einzuspeisen.


Soll innerhalb von fünf Jahren vom Netz gehen: Das letzte Kohlekraftwerk in Schleswig-Holstein. Foto: By Hannes Grobe (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

27.000 Wohnungen können mit Wärme versorgt werden

Erzeugt wird die Fernwärme in Hamburg bisher unter anderem durch das Kohlekraftwerk in Wedel. Dort wurden im vergangenen Jahr 440.000 Tonnen Steinkohle verbrannt. Das Kraftwerk steht allerdings schon seit einiger Zeit in der Kritik. Denn es ist vergleichsweise ineffizient und stellt eine große Belastung für das Klima dar. Zukünftig soll dort nun eine Art gigantischer Tauchsieder entstehen. In diesem wird, wenn zu viel Windstrom zur Verfügung steht, Wasser erhitzt. Dieses kann dann bei Bedarf in das Fernwärmenetz eingespeist werden. Die neu errichtete Anlage kommt auf eine Leistung von umgerechnet 80 Megawatt. Oder etwas deutlicher ausgedrückt: Es können rund 27.000 Wohnungen mit Wärme versorgt werden. Dadurch sollen rund 50.000 Tonnen Kohle eingespart werden. Dadurch wiederum würden sich die CO2-Emissionen um stolze 100.000 Tonnen verringern. Es handelt sich somit um eine der größten Power-to-Heat-Anlagen in Deutschland.

Das Kohlekraftwerk soll bald vom Netz gehen

Spätestens im Jahr 2030 soll das Kohlekraftwerk in Wedel dann komplett abgeschaltet werden. Die jetzt neu errichtete Anlage kann dann aber nur einen Teil der wegfallenden Leistung übernehmen. Parallel wird daher an dem Standort auch an weiteren Lösungen gearbeitet. So wird über Müllheizkraftwerke ebenso nachgedacht wie über die Geothermie. Erste entsprechende Probebohrungen wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Aktuellen Planungen zufolge soll zudem ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk neu entstehen. Dieses wird zwar aller Voraussicht nach nicht vollkommen klimaneutral arbeiten, aber zumindest effizienter als das heutige Kohlekraftwerk. Hamburg ist zudem nicht die einzige Stadt in Deutschland, die auf große Power-to-Heat-Anlagen setzt. In Berlin beispielsweise hat der schwedische Vattenfall-Konzern sogar den größten Wärmespeicher des Landes errichtet. Auch dieser soll Ökostrom nutzen, um das Fernwärmenetz zu versorgen.


Via: taz

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