Eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus verläuft in vielen Fällen völlig symptomlos. In akuten Fällen variiert die Schwere der Symptome teilweise drastisch. Dass die Covid-19-Erkrankung nicht nur akute Symptome mit sich bringen kann, sondern auch teilweise drastische Spätfolgen wie etwa neurologische Ausfälle oder Herzmuskelentzündungen nach sich zieht, ist schon eine Weile bekannt. Nun kommt eine neue mögliche Spätfolge hinzu: chronische Erschöpfung. Besonders tückisch ist, dass diese auch nach vergleichsweise milden Verläufen der Erkrankung auftreten kann.


Neue Spätfolge bei Covid-19?

In der medizinischen Fachsprache bezeichnet man derartige Erschöpfungszustände als Fatigue. Diese äußert sich in bleierner Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Muskelschwäche. „ Eine solche Fatigue ist ein häufiges Symptom bei einer akuten Covid-19-Erkrankung. In Studien mit Covid-19-Patienten zeigen 34 bis 46 Prozent der Betroffenen eine Fatigue“, erklärt Liam Townsend vom Trinity College in Dublin. Es existieren außerdem deutliche Hinweise darauf, dass die Fatigue auch nach der Erkrankung anhalten kann. Ob dies so ist, wollte Townsend mit seinem Team herausfinden. Dazu haben er und sein Team 128 Covid-19-Patienten zehn Wochen nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus erneut untersucht und befragt. Mit Hilfe der Chalder Fatigue Scale, einem standardisierten Fragebogen zur Diagnose des Chronischen Erschöpfungssyndroms (CFS), untersuchten die Forscher, ob die Patienten noch unter Fatigue litten.


Chronische Erschöpfung nach Infektion

Das Ergebnis fiel recht deutlich auf: 52,3 Prozent der ehemaligen Covid-19-Patienten litten auch weiterhin unter anhaltenden Erschöpfungszuständen. Etwa ein Drittel der Befragten konnten aufgrund der Fatigue noch nicht zum Arbeitsplatz zurückkehren. „ Unseres Wissens nach ist dies der erste Bericht über eine post-virale Fatigue bei Menschen, die von einer akuten Covid-19-Erkrankung genesen sind“, so die Forscher. Entsprechende Symptome treten zwar auch bei anderen Virusinfektionen auf, etwa mit dem Eppstein-Barr-Virus, aber bei SARS-CoV-2 scheint die Fatigue besonders häufig aufzutreten. „ Angesichts der Tatsache, dass unsere Patienten keinerlei Belege für eine anhaltende Infektion zeigten, ist der hohe Anteil der chronischen Erschöpfung bemerkenswert“, so die Forscher weiter.

Es kann jeden treffen

Weiterhin stellten die Forscher fest, dass es offenbar keinen Zusammenhang zwischen der Erschöpfung und der schwere des Verlaufs der Covid-19-Erkrankung gab. Die Fatigue betraf auch Patienten, die einen Verlauf mit milden Symptomen hatten. Auch die Untersuchung physiologischer Marker wie entzündungsfördernden Cytokinen oder bestimmten Immunzellen förderte keine Auffälligkeiten zutage.

Das Fehlen eines Zusammenhangs mit der Schwere der Infektion hat weitreichende Bedeutung – sowohl für die Zahl der potenziell betroffenen Patienten als auch für das Gesundheitssystem. Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass alle Personen, die SARS-CoV-2 diagnostiziert wurden, später auf Fatigue hin untersucht werden sollten“, so die Wissenschaftler. Im Prinzip könne die Fatigue nach der Covid-19-Erkrankung jeden treffen – auch junge Menschen mit milden Verlaufsformen.

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