Regenwälder gelten als grüne Lunge der Erde. Grundsätzlich sind sich daher so gut wie alle Regierungen der Welt einig, dass die einzigartigen Biotope besonders geschützt werden müssen. Tatsächlich sieht die Situation vor Ort aber alles andere als rosig aus. Dies hat nun eine Auswertung von Satellitenbildern durch die Umweltschutzorganisation WWF noch einmal unter Beweis gestellt. Demnach sind alleine in den besonders kritischen Gebieten der tropischen Regenwälder in den Jahren 2004 bis 2014 rund 43 Millionen Hektar dauerhaft zerstört worden. In den meisten Fällen waren dafür illegale Brandrodungen verantwortlich. Zum Vergleich: Die Bundesrepublik Deutschland kommt auf eine Fläche von nur 35,7 Hektar. Fast die Hälfte des zerstörten Regenwaldes befindet sich im Amazonas Gebiet. Aber auch auf Borneo und Sumatra kam es zu erheblichen Verlusten.


Die Politik vor Ort muss schwierige Entscheidungen treffen

Die Umweltschutzorganisation sieht dafür eine doppelte Verantwortung. Zunächst einmal kommt es auf die Regierungen vor Ort an. Diese müssen die staatlichen Behörden mit ausreichend Ressourcen ausstatten, um einen effektiven Schutz des Regenwaldes zu gewährleisten. Dies klingt oftmals aber einfacher als es tatsächlich ist. Denn jede Regierung steht natürlich vor dem Zwiespalt, zwischen mehr Naturschutz und einer wirtschaftlichen Nutzung der Gebiete zu entscheiden. International besonders stark in der Kritik steht der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro. Dieser sieht den Regenwald vor allem als wirtschaftliche Ressource und bezweifelt den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel. Er hat daher die finanziellen Mittel der Umweltschutzbehörden drastisch beschnitten. Folgerichtig hat die Zahl der Rodungen seit seinem Amtsantritt stark zugenommen.


Mehr Soja-Anbau in Europa könnte ein Teil der Lösung sein

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die meisten Brandrodungen für den Export durchgeführt werden. Denn auf den so gewonnenen Flächen werden beispielsweise Futtersoja und Kakao angebaut oder es wird Viehzucht betrieben. Die so gewonnenen Produkte werden anschließend nach Europa geliefert und dort verkauft. Schätzungen gehen davon aus, dass rund ein Sechstel der in Deutschland gehandelten Lebensmittel direkt oder indirekt zur Zerstörung des Regenwalds in den Tropen beitragen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verfolgt daher schon seit einiger Zeit das Projekt der „Proteinsouveränität“. Konkret geht es dabei unter anderem darum, Soja zukünftig wieder verstärkt in Europa anzubauen. Weniger Importe aus Südamerika würden dort dann den Anbau auf gerodeten Flächen unattraktiver machen, so die dahinter stehende Überlegung. Der Nachteil: Fleisch würde dadurch deutlich teurer werden.

Via: WWF

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1 Kommentar

  1. Matthis

    13. Januar 2021 at 12:10

    Dass Fleisch teurer werden würde sehe ich eher als Vorteil in Bezug auf diese Thematik.

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