74 junge, gesunde Probanden erklärten sich bereit, zwei Nächte mit Straßenverkehrslärm zu verbringen – und eine Nacht in angenehmer Ruhe. Forscher der Universität Mainz unter Leitung von Omar Hahad maßen dabei physiologische Parameter wie Atmung, Puls, Sauerstoffsättigung des Blutes und Blutdruck. Auch die Bewegungen im Schlaf zeichneten sie mithilfe eines Sensors auf und entnahmen vor und nach jeder Nacht Blutproben. Sogar die Elastizität der Blutgefäße maßen die Wissenschaftler per Ultraschall und stellten schließlich fest: Es reicht eine einzige Lärmnacht, um den Körper nachhaltig negativ zu beeinflussen. Schon eine einzige laute Nacht hinterlässt Spuren im Körper Studie in privaten Schlafzimmer mit installierten Lautsprechern Die Studie fand in den privaten Schlafzimmern der Teilnehmer statt und eben nicht einem Schlaflabor. In den Räumen installierte das Forscherteam Lautsprecher und beschallte seine Probanden in der ersten Nacht mit 43 Dezibel Straßenlärm, um in der Folgenacht auf 60 Dezibel zu erhöhen. Der Lärmpegel der zweiten Nacht entspricht der Geräuschkulisse, wenn an einem geöffneten Fenster Lastwagen und Autos vorbeifahren. Auch die Anzahl der Lärmereignisse regulierten die Wissenschaftler: Zuerst versuchten sie es mit insgesamt 30, danach mit 60 lauten Geräuscheinheiten. »Akuter Straßenlärm greift direkt in die Regulation des Gefäßsystems ein« Hahad zog ein hartes Resümee: „Unsere Studie liefert kontrollierte experimentelle Hinweise darauf, dass akuter nächtlicher Straßenverkehrslärm direkt in die Regulation des Gefäßsystems eingreift. Wir sehen sowohl funktionelle Veränderungen als auch begleitende Aktivierung bestimmter biologischer Signalwege.“ Das Herz der Teilnehmer schlug bei einzelnen Lärmereignissen schneller, die Blutgefäße verloren im Laufe der Nacht an Elastizität, der Blutdurchfluss verringerte sich: eine Stressreaktion, die sich auf die Gefäßgesundheit niederschlägt. Bei Teilnehmer mit besonders starker Gefäßversteifung kam noch ein Konzentrationsanstieg entzündungsfördernder Proteine im Blut hinzu. »Lärmschutz ist Herzschutz« Es reichte eine einzige Nacht mit Verkehrslärm, um physiologische Spuren im Körper zu hinterlassen. Besonderen Stress erzeugten dabei einzelne, sich wiederholende Lärmereignisse, wie von vorbeifahrenden Autos. Die vielen akuten Reaktionen könnten die Erklärung dafür sein, warum nächtlicher Lärm dem Herz-Kreislauf-System dauerhaft schadet, vermuten die Wissenschaftler und plädieren für konsequenten Lärmschutz in Wohngebieten. »Lärmschutz ist Herzschutz«, betont Studienautor Thomas Münzel. „Jede Dezibel-Reduktion bedeutet weniger Stress für Gefäße, weniger Entzündung im Blut – und langfristig weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle.“ Quelle: scinexx.de Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter
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