Normalerweise schützt uns unsere Haut vor Bakterien und Viren. Tritt allerdings eine Wunde auf, geht diese Schutzwirkung verloren. Die Folge können Wundinfektionen sein. Weil zudem immer mehr Keime Resistenzen gegen die gängigen Antibiotika entwickeln, kann dies sogar eine tödliche Gefahr darstellen. Forscher in der Schweiz haben daher nun einen neuen Ansatz entwickelt. Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) präsentierte einen Wundverband, der Wunden sicher abdeckt und Bakterien und Viren abtötet. Die Basis des neu entwickelten Materials bildet Cellulose. Diese wird zunächst zu Fasern mit einer Dicke von weniger als einem Mikrometer verarbeitet. Anschließend werden sie zu einem mehrschichtigen Gewebe verwoben. Der Clou: Auf der einen Seite ist der Verband mit kleinen Proteinbausteinen – sogenannten Peptiden – beschichtet.


Bakterien im Urin
Antibiotika resistente Bakterien Bild: Mkaercher CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

99,99 Prozent der Keime wurden erfolgreich abgetötet

Die Peptide sind so gestaltet, dass sie sich einerseits an Strukturen des Wundverbands andocken können. Andererseits entfalten sie aber auch eine antimikrobielle Wirkung. Tests habe zudem schon unter Beweis gestellt, dass sich dieser Aufbau auch nicht verändert, wenn der Wundverband angebracht wird. Außerdem ruft der Ansatz keine unerwünschten Nebenwirkungen auf der Haut hervor. Das entscheidende ist aber: In Tests erwies sich der neuartige Wundverband tatsächlich als sehr wirksam. So konnten unter Laborbedingungen stolze 99,99 Prozent der Keime durch die Membran abgetötet werden. In der Praxis würde dies bedeuten, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer Infektion massiv verringert. Hinzu kommt, dass selbst berüchtigte resistente Keime- etwa Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa – dem neuen Schutz zum Opfer fielen.

Neue Ansätze werden dringend benötigt

Weil die Peptide den Keimen zudem auf vielfältige Art und Weise zusetzen, ist es auch eher unwahrscheinlich, dass zeitnah neue Resistenzen entstehen. Langfristig haben die beteiligten Forscher zudem noch weiter gehende Pläne. Denn die Proteinbausteine können theoretisch auch noch andere Aufgaben übernehmen. So wäre es beispielsweise denkbar, dass über sie gezielt therapeutische Wirkstoffe abgegeben werden. Zunächst einmal muss aus dem neu entwickelten Ansatz nun aber ein marktfähiges Produkt werden. Gerade bei medizinischen Erzeugnissen kann dies eine gewisse Zeit dauern, weil zunächst in zahlreichen Tests die Wirksamkeit und die Unverträglichkeit nachgewiesen werden muss. Klar ist aber: Die Welt braucht dringende neue Ideen im Kampf gegen resistente Keime. Andernfalls könnte dieser Kampf tatsächlich verloren gehen.


Via: Empa

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