Paracetamol gehört neben Aspirin zu den am meisten eingenommen Schmerzmedikamenten Deutschlands. Es lindert körperliche Schmerzen, hat aber scheinbar auch eine unerwartete Nebenwirkung: Wie eine Studie herausfand, erhöht die Einnahme von Paracetamol die Risikobereitschaft. Menschen, die das Medikament einnehmen, neigen zu vorschnellen Entscheidungen, statt die Gefahren und möglichen Gefahren einer Handlung abzuwägen. Als Ursache identifizierten die Forscher einen Einfluss des Wirkstoffes auf die Risikowahrnehmungen.


Paracetamol als Volksmedikament

Egal ob es um Kopf- oder Rückenschmerzen geht: Viele Menschen greifen im Falle von körperlichen Schmerzen auf das Mittel Paracetamol zurück. Dieses lindert den Schmerz, hat aber auch Nebenwirkungen. Bereits eine leichte Überdosis kann zu akutem Leberversagen führen. Die regelmäßige Einnahme von Paracetamol erhöht außerdem das Risiko für einen Herzinfarkt und einer Astmaerkrankung.


Paracetamol ist nicht nur ein verbreitetes Schmerzmittel, sondern auch Bestandteil von mehr als 600 Medikamenten. Neben den rein körperlichen Nebenwirkungen sind auch pychische bekannt, etwa die Dämpfung von Trauer, Freude sowie des Mitgefühls für Dritte.

Ein Team rund um Alexis Keaveney von der Ohio State University stellte sich die Frage, ob Paracetamol auch Einfluss auf die Risikobereitschaft nimmt. „Weil Risikoeinschätzung und Entscheidungen auf positiven und negativen Affekten basieren, ist es naheliegend, dass Paracetamol auch auf sie wirkt“ erklären die Forscher. Um dieser Frage nachzugehen, entwarfen sie drei Experimente, an denen je etwa 150 Studenten teilnahmen. Dabei erhielt die Hälfte der Probanden mit 1000 mg Paracetamol eine handelsübliche Dosis, die andere Hälfte erhielt ein Placebo.

Probanden zeigten deutliche Veränderungen

Für eines der Experimente nutzten die Forscher das Computerprogramm „The Balloon Analog Risk Task (BART). Dieses wird auch zur Untersuchung der Wirkung von Drogeneinnahme genutzt. Dabei müssen die Probanden per Mausklick entscheiden, wie weit sie einen virtuellen Ballon aufblasen wollen. Übertreiben sie es, platzt der Ballon. Bei steigender Größe des Ballons erhalten die Teilnehmer einen virtuellen Geldbetrag. Platzt der Ballon, geht dieser verloren.

Außerdem analysierten die Forscher in zwei Befragungen die Risikowahrnehmung mit einer Reihe von standardisierten Fragen und Entscheidungsaufgaben, bei denen die Studenten verschiedene Aktivitäten auf einer Risikoskala einordnen sollten.

Paracetamol beeinflusst die Bereitschaft zum Risiko

Bei dem Ballon-Experimenten zeigten sich deutliche Auswirkungen auf die Risikobereitschaft: Die Probanden, die das Paracetamol erhalten hatten, pumpten den Ballon im Schnitt fast 40 mal auf. Die Kontrollgruppe kam auf etwa 33 mal. „Diejenigen, die Paracetamol eingenommen hatten, empfanden weniger Angst und negative Emotionen, als der Ballon größer wurde und zu platzen drohte“, so die Forscher.

Diese Ergebnisse spiegelten sich auch in den anderen Experimenten wieder: Die Probanden, die Paracetamol eingenommen hatten, schätzten riskante Aktivitäten im Vergleich zu der Kontrollgruppe als deutlich weniger risikoreich ein.

Gesellschaftsweite Auswirkungen

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Einnahme von Paracetamol zu einer veminderten Risikowahrnehmung führen kann, was zu unbedachten Entscheidungen führen kann – mit möglicherweise weitreichenden Folgen. Dies könne durchaus auch Folgen für den Alltag haben. So seien etwa beim Autofahren regelmäßig Entscheidungen zu treffen, die auf der Risikoeinschätzung beruhen und direkten Einfluss auf die Sicherheit im Straßenverkehr haben. In den USA etwa nehmen fast 25 Prozent der Bevölkerung wöchentlich Paracetamol zu sich – die Auswirkungen dieser Nebenwirkung könnten also immens sein.

Wir müssen die Effekte von Paracetamol und anderen frei verkäuflichen Arzneimitteln hinsichtlich ihrer Risiken besser erforschen“, fordern die Forscher.

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