Die Atomkatastrophe von Fukushima hat die japanische Energieversorgung durcheinandergewirbelt. Denn die Insel verfügt selbst über keine nennenswerten Rohstoffe. Die Kernenergie wurde daher genutzt, um etwas unabhängiger von Importen aus dem Ausland zu werden. Als dann aber alle Kraftwerke auf einmal aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden mussten, wurde dies zum Problem. Die Energieversorger kauften daher Öl, Gas und Kohle in aller Welt ein. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Denn noch immer ist nur ein Viertel der Atomkraftwerke des Landes wieder am Netz. Der Anteil von fossilen Energieträgern liegt hingegen bei stolzen 76 Prozent. Dementsprechend schlecht fällt die Klimabilanz des Landes aus: Japan ist aktuell der weltweit fünftgrößte Emittent von Klimagasen. Unter internationalem Druck hat die Regierung zuletzt allerdings die eigenen Ziele in diesem Bereich noch einmal verschärft. So sollen die Emissionen bis zum Jahr 2030 um 46 Prozent sinken und bis zum Jahr 2050 vollständig verschwinden.


Bild: Decumanus at English Wikipedia. [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Die Regierung pocht zumindest auf effizientere Kraftwerke

Dies hat Premierminister Fumio Kishida auch auf der Weltklimakonferenz in Glasgow noch einmal bestätigt. Zu dieser Rhetorik scheint die Bautätigkeit in seiner Heimat allerdings nicht so richtig zu passen. Denn dort werden aktuell gleich acht große neue Kohlekraftwerke errichtet. Diese sollen auf eine Gesamtleistung von 5,5 Gigawatt kommen und werden rund 30 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen verursachen. Wie aber passt dies nun zu den Klimaschutzversprechungen? Dazu muss man zunächst wissen, dass die Kohleverstromung in Japan deutlich weniger umstritten ist als hierzulande. Lange Zeit galt sie als wichtiges Mittel, um die Grundlastversorgung sicherzustellen. Doch diese Position konnte die Regierung unter internationalem Druck nicht aufrecht erhalten. Stattdessen versucht sie nun einen Spagat: Zum einen sollen die Kohlekraftwerke deutlich effizienter werden. So soll der Wirkungsgrad bis zum Jahr 2030 auf mindestens 43 Prozent steigen. Dies ist nur durch massive Modernisierungen möglich.

Ammoniak und Wasserstoff sollen das Dilemma auflösen

Bei zahlreichen älteren Anlagen lohnt sich das Investment aber nicht mehr. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 100 der 163 Kohlemeiler im Land daher früher oder später abgeschaltet werden müssen. Die wegfallenden Kapazitäten sollen aber eben zumindest teilweise durch neue Kohlekraftwerke ersetzt werden. Diese sind dann zwar effizienter und weniger klimaschädlich. Sie laufen dafür aber auch noch deutlich länger. Aus Sicht des Klimaschutzes ist diese Vorgehensweise daher nicht besonders sinnvoll. Dieser Kritik musste sich auch die japanische Regierung stellen. Sie hat darauf mit dem zweiten Standbein des angesprochenen Spagats reagiert. Denn die Meiler sollen nur am Anfang ihrer Lebensdauer Kohle verbrennen. Später einmal sollen hingegen Ammoniak und Wasserstoff genutzt werden. Sofern dieser klimaneutral hergestellt wird, könnten die Kraftwerke so tatsächlich emissionsfrei betrieben werden. Das Problem aber: Die Technologie existiert so noch nicht. Selbst bei den modernsten Anlagen können Ammoniak und Wasserstoff bisher nur beigemischt werden. Und auch dies geschieht eher zu experimentellen Zwecken. Der Bau der neuen Kohlemeiler ist also gewissermaßen eine gigantische Wette auf die technologische Entwicklung in diesem Bereich.


Via: Wiwo

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