Abgereichertes Uran ist in herkömmlichen Leichtwasserreaktoren praktisch nutzlos, doch fällt es weltweit in riesigen Mengen als Nebenprodukt der Urananreicherung an. Wohin mit diesem Abfall, von dem mehrere zehntausend Jahre lang eine nukleare Gefahr ausgeht? Ein neues Kernkraftwerk in der südchinesischen Provinz Guangdong soll es richten: Die Pilotanlage soll den hoch radioaktiven Stoff zur Energieausbeute weiterverwerten. Das zugrundeliegende System nennt sich »China Initiative Accelerator Driven System« (CiADS).


Atommüll lässt sich wahrscheinlich weiterverwerten

Schon 2027 soll die Anlage in Betrieb gehen

Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) leiten das Projekt mit dem Accelerator Driven Sub-critical System (ADS). Schon 2027 sol die Anlage in Betrieb gehen. Im Inneren befindet sich ein 350 Meter langer Teilchenbeschleuniger, durch den Neutronen auf einen subkritischen Reaktorkern gefeuert werden. Der Reaktor ist zu keiner Kettenreaktion fähig, womit eine Kernschmelze unmöglich. Sobald der Teilchenbeschleuniger stoppt, endet auch der Prozess.

In ADS-Systemen entsteht ein besonders schneller Neutronenfluss, der U-238 in Pu-239 umwandeln kann. Das Pu-239 wiederum ist spaltbar und kann erneut als Kernbrennstoff dienen. So wird bislang wertloses und sogar gefährliches Material wieder zu einem kostbaren Ausgangsstoff der Energieproduktion. Die nutzbare Energie ließe sich aus dem vorhandenen Uranvorrat um etwa den Faktor 100 steigern. Die Endlagerproblematik wäre drastisch entschärft, weil die Halbwertzeiten sich auf wenige hundert Jahre verkürzen.


Zuerst geht es um Transmutation, dann um Dual-Use

Die Leiter dieses Projekts reden davon, den Energiebedarf der Menschheit für die nächsten eintausend Jahre abzusichern. Bislang ist das nicht mehr als eine bloße Vision, die aber schon nächstes Jahr an Substanz gewinnen kann. Zunächst geht es um die reine Transmutation, also darum, den bestehenden Atommüll zu »verbrennen«. Anschließend soll daraus ein Dual-Use-System werden, um die Energieerzeugung direkt daran anzuschließen.

Im kleineren Rahmen verfolgt das MYRRHA-Projekt in Belgien ein ähnliches Ziel. Die Leitung hat hier das belgische Zentrum für Kernenergieforschung inne. Die Testung erfolgt noch dieses Jahr, der Reaktorbetrieb ist aber erst ab 2036 vorgesehen.

Quelle: futurezone.at 

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