Der Ozean bewegt sich pausenlos. Seit Jahrzehnten versuchen Ingenieur:innen, diese Energie zu nutzen, doch der Weg zur Marktreife war steinig. Jetzt meldet das spanische Unternehmen IDOM einen konkreten Fortschritt: Der Wellenenergiekonverter MARMOK-A-5 wurde Mitte Mai erfolgreich vor der nordspanischen Küste installiert und ans Stromnetz angeschlossen.


Bild: Europewave

Wie ein Kolben im Ozean

Das Gerät ist ein sogenannter oszillierender Wassersäulen-Konverter (Oscillating Water Column, OWC). Im Inneren des Zylinders befindet sich eine Wassersäule. Wenn Wellen auf die Boje treffen, bewegt sich diese Wassersäule auf und ab, komprimiert und entspannt dabei eine Luftkammer an der Spitze des Geräts. Der entstehende Luftstrom treibt eine Turbine an, die Strom erzeugt. Ein Seekabel leitet diesen an die Küste.

Der MARMOK-A-5 ist dabei kein kleines Gerät: 42 Meter misst er von unten bis oben, fünf Meter davon ragen aus dem Wasser. Mit einem Durchmesser von ebenfalls rund fünf Metern verdrängt er 160 Tonnen Wasser. Verankert ist er auf dem Meeresboden, rund 90 Meter unter der Oberfläche, auf der Biscay Marine Energy Platform (BiMEP) vor der Küste des Baskenlandes.


Neue Technik, bewährte Konstruktion

Das Grundprinzip ist seit Jahren erprobt: Frühere Versionen des MARMOK überlebten mehrere Winter auf dem offenen Meer. Die aktuelle Iteration bringt jedoch ein neu entwickeltes Power-Take-Off-System (PTO) mit, das alle Erfahrungen aus vorangegangenen Testkampagnen einbindet. Hinzu kommen intelligente Steuerungssysteme, regelbare Schaufeln und ein Bord-Akkuspeicher. Die Anlage ist außerdem das erste Wellenenergiesystem, das sich über die dort stationierte HarshLab-Boje elektrisch ins Netz einspeist.

Die Leistung des Prototyps beträgt maximal 30 Kilowatt. Das reicht, um rund 15 bis 20 durchschnittliche Haushalte zu versorgen. Als kommerzieller Stromlieferant taugt das Gerät in dieser Form noch nicht, doch darum geht es bei dieser Phase auch nicht. MARMOK-A-5 soll zunächst Betriebsdaten liefern und die Leistungsfähigkeit unter realen Bedingungen demonstrieren.

Teil eines europäischen Forschungsprogramms

Das Projekt läuft im Rahmen von EuropeWave, einem EU-Forschungsprogramm, das mit rund 20 Millionen Euro Wellenenergie-Technologien zur Marktreife führen will. MARMOK-A-5 ist der erste Konverter, der in der dritten und abschließenden Phase dieses Programms ins Wasser gegangen ist. Projektmanager Borja de Miguel von IDOM bezeichnet die sichere Installation und Netzanbindung als entscheidenden Schritt auf dem Weg zur kommerziellen Realität.

In den kommenden Wochen beginnt die Inbetriebnahme: Das Team überprüft das PTO-System, steigert schrittweise die Leistung und wertet die gewonnenen Daten aus. Diese Ergebnisse fließen in die nächste Entwicklungsstufe ein und sollen den Weg zu größeren, vorkommerziellen Projekten ebnen.

via Europewave

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