Zwei stromintensive Technologien drängen derzeit auf den Markt: Wärmepumpen und elektrisch betriebene Autos. Es droht eine Überlastung der Verteilnetze, wenn der Netzausbau und die Errichtung energieerzeugender Anlagen nicht hinterherkommen. Die Netzbetreiber machen sich Gedanken, wie sie die Spitzenglättung in naher Zukunft meistern: Wahrscheinlich läuft es auf Drosselungen und Ladeunterbrechungen hinaus.


Ist Strom genug für alle(s) da?

Frühe Abendstunden als Achillesferse des Systems

Für eine stark erhöhte parallele Stromnachfrage ist unser Netz nicht gerüstet, trotzdem soll es mit der Elektromobilität steil bergauf gehen. Die frühen Abendstunden bilden derzeit die Achillesferse im System, dann tanken nicht nur E-Autos und Speicheranlagen auf. Auch viele andere Geräte saugen zu dieser Tageszeit Energie, erhöhte Entgelte könnten in dieser Zeitspanne die Folge sein. Die Netzbetreiber möchten sich zusätzlich die Möglichkeit offenhalten, Ladevorgänge von E-Autos gezielt zu unterbrechen – für anderthalb bis zwei Stunden.

Die Entwicklung der E-Mobilität kann sehr schnell gehen

Mathias Gabel von NetzeBW drängt darauf, die Spitzenglättung zunächst gesetzlich festzuschreiben. „Wir wollen nicht zwei Stunden flächendeckend abriegeln“, sagte er. Deshalb müsse der Ausbau vorangetrieben werden, während die Politik zeitgleich Vorsorge gegen drohende Überlastungen trifft. Sebastian Winter vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) merkt an, dass die Entwicklung bei der elektrischen Mobilität sehr schnell vorangehen kann. Wenn nur zwei Stromer in einem Straßenzug gleichzeitig laden, stelle dies kein Problem dar. Sobald es aber viel mehr werden und alle gleichzeitig ans Netz gehen, sähe die Sache schon anders aus.


Pilotprojekt in BW wird als erfolgreich angesehen

Digitale Stromzähler und Smart-Meter-Gateways sollen das Rückgrat der gezielten Spitzenglättung bilden. Allerdings müssten diese Geräte zunächst programmiert und dann zertifiziert werden – dafür ist eine Rechtsbasis nötig. Der »klassische Verbraucher« soll keine zusätzlichen Kosten haben und sich auf die Versorgungssicherheit verlassen können, so die einhellige Meinung. Ein Pilotprojekt zur Energiedrosselung gab es bereits in Baden-Württemberg: Christoph Scholten, der als Leiter des Referats Digitalisierung der Energie beim BMWi arbeitet, berichtet, die Leute hätten sich »nach kurzer Zeit entspannt«, als sie merkten, dass die »Komforteinbuße« sich in Grenzen halte.

Quelle: heise.de

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