Die Corona-Krise hat auch in der Logistik-Branche zu ungeahnten Folgen geführt. So stieg die Zahl der Online-Bestellungen stark an, wodurch auch mehr Pakete ausgeliefert werden mussten. Trotzdem blieb der Verkehrskollaps in den Innenstädten aus. Im Gegenteil: Die Zustellungen verliefen sogar flüssiger als vor der Krise. Zu erklären ist dies relativ einfach. Denn während des Shutdowns waren schlicht deutlich weniger andere Fahrzeuge unterwegs. Die Zusteller standen also seltener im Stau und fanden schneller einen Parkplatz. Dieser Zustand wird aber nicht ewig anhalten. Deshalb wird auch weiterhin an neuen Konzepten gearbeitet, um die Zustellung von Paketen weiter zu verbessern. Eine neue Studie der Frankfurter Hochschule bringt nun eine neue Variante ins Spiel: Straßenbahnen könnten die Päckchen in sogenannte Mikro-Depots befördern.


Bild: Christian Bier / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Die Zustellungen würden sich signifikant verteuern

Von dort könnten die Auslieferungen dann mithilfe von Lastenfahrrädern organisiert werden. Ganz neu ist die Idee nicht: Vor einigen Monaten schlug Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor, für den Transport die U-Bahn zu nutzen. Die Wissenschaftler halten die Straßenbahn aber für deutlich geeigneter, weil es mehr Haltestellen und keine Tunnelabschnitte gibt. Der Studie zufolge brächte dieser Ansatz sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Zunächst einmal würde die Zustellung dadurch länger dauern und mehr kosten. Konkret kostet die klassische Zustellung per Transporter 1,62 Euro pro Paket. Bei einer Nutzung der Straßenbahn würde sich dieser Wert auf 1,89 Euro erhöhen. Weil die Paketdienstleister schon bisher keine riesigen Gewinne einfahren, müsste zumindest ein Teil der zusätzlichen Kosten wohl auf die Unternehmen umgelegt werden. Inwiefern diese sich das Geld dann von ihren Kunden wiederholen werden, lässt sich aktuell nur schwer prognostizieren.

Ein Pilotprojekt in Amsterdam verlief teilweise erfolgreich

Sicher ist aber eine Sache: Durch den Transport der Pakete mit der Straßenbahn könnten erhebliche CO2-Emissionen eingespart werden. Den Berechnungen der Forscher zufolge ließe sich der tägliche CO2-Ausstoß um rund 57 Prozent reduzieren. Ziel der Studie war es, zunächst herauszufinden, ob der Ansatz tatsächlich erfolgsversprechend sein könnte. Nachdem die Forscher dies nun bejaht haben, müssten als nächstes Pilotprojekte in einigen Städten folgen, um die Idee auch in der Praxis zu testen. Bisher gab es in Europa lediglich einen entsprechenden Modellversuch. Dieser fand im Jahr 2007 in Amsterdam statt. Damals zeigte sich: Straßenbahnen lassen sich durchaus sinnvoll für den Gütertransport nutzen. Theoretisch erteilten die Behörden damals sogar die Genehmigung zur kommerziellen Nutzung. Diese kam letztlich aber nicht zustande. Der simple Grund: Niemand wollte die zusätzlichen Kosten tragen.


Via: Die Zeit

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1 Kommentar

  1. Andro Wegner

    25. Mai 2020 at 16:25

    Nach dem Vorschlag vom Verkehrsminister Scheuer hatte die BVG schon auf diese Möglichkeit hingewiesen.

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