Alleine im vergangenen Jahr bestellten deutsche Kunden Waren im Wert von 94 Milliarden Euro online. Die Folgen davon kann man täglich in vielen Städten beobachten: Zahlreiche Lieferfahrzeuge sind unterwegs, um die Bestellungen bis zum Kunden nach Hause zu befördern. Dadurch wird die ohnehin angespannte Verkehrssituation in vielen Städten aber nur noch komplizierter. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will daher nun auch unkonventionelle Ideen verfolgen, um die Problematik zu lösen. Einer seiner Ansätze: Einen Teil der Warenströme einfach unter die Erde zu verlagern. So könnten U-Bahnen nachts die Pakete zu dezentralen Mikro-Hubs an den Stationen bringen. Von dort aus wäre die Auslieferung dann zum Beispiel mit einem Lastenrad möglich.


Bild: Jcornelius [CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Nächtliche Pausen werden für Wartungs- und Reparaturarbeiten benötigt

Aktuell ist der Minister daher auf der Suche nach einer Stadt, die Interesse an einem derartigen Pilotprojekt hat. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass sich auf diese Weise der motorisierte Lieferverkehr um rund zwanzig Prozent reduzieren ließe. Erst in der Praxis wird sich allerdings zeigen, ob diese Annahmen tatsächlich realistisch sind. Einige offene Fragen müssen vor dem Start zudem noch geklärt werden. So sind viele U-Bahn-Tunnel auch nachts nicht vollkommen leer. Vielmehr werden dort Wartungs- und Reparaturarbeiten durchgeführt. Hier wäre also eine genaue Abstimmung mit den jeweiligen Verkehrsbetrieben nötig. Außerdem müssten die Paketdienste zusätzliches Fachpersonal anstellen. Bei der aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt sind Fachkräfte aber gar nicht so einfach zu finden.

In Chicago erwies sich der Ansatz als nicht rentabel

Tatsächlich gab und gibt es aber bereits einige Städte, die ähnliche Lösungen verfolgt haben. So kommt in Dresden die sogenannte Cargo-Tram zum Einsatz. Diese ist allerdings nicht unterirdisch unterwegs, sondern nutzt die Schienen der Straßenbahn. Transportiert werden damit Bauteile für die Gläserne Manufaktur von Volkswagen. In Chicago wiederum wurden tatsächlich bis zum Jahr 1959 Waren per U-Bahn transportiert. Letztlich erwies sich der Transport per Lastwagen aber als deutlich wirtschaftlicher. Es bleibt abzuwarten, ob sich daran inzwischen etwas geändert hat. Zumindest ist die Lage aber so kritisch, dass die Paketdienste Scheuers Vorschlag immerhin eine Chance geben wollen. Wo ein entsprechendes Pilotprojekt stattfinden könnte, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Die Zahl der Städte mit U-Bahn in Deutschland ist allerdings ohnehin begrenzt.


Via: MOZ

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