Forscher der Harvard University haben schon vor mehr als einem Jahrzehnt auf die Bedeutung von Walen für die Weltmeere hingewiesen. Sie beschrieben damals die sogenannte „whale pump“. Vereinfacht ausgedrückt nehmen die Meeressäuger dabei in der Tiefe Nahrung auf und verteilen ihre Ausscheidungen anschließend im wärmeren Wasser näher an der Oberfläche. Dies wirkt wie eine Art Düngung und befördert das Planktonwachstum. Die Pflanzen wiederum dienen dann als Nahrungsquelle für zahlreiche Fischarten. Die Wale tragen somit entscheidend zur Vermehrung von Fischen in den Weltmeeren bei. Allerdings erfüllen sie ihre Aufgabe heute nicht mehr so gut wie in der Vergangenheit. Der simple Grund: Die Walbestände sind massiv gesunken. Die menschliche Jagd sowie die Verschmutzung der Ozeane haben dafür gesorgt, dass die Walpopulation heute nur noch bei rund fünf Prozent des ursprünglichen Werts liegt. Folgerichtig haben sich auch die Ausscheidungen reduziert.


Foto: Gabriel Barathieu [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Das Plankton bindet CO2 aus der Atmosphäre

Theoretisch wäre es für die Ökosysteme in den Meeren daher am besten, wenn dort wieder mehr Wale leben würden. Bisher haben die Bemühungen der Weltgemeinschaft aber lediglich dafür gesorgt, dass sich das Walsterben stark reduziert hat. Die ursprünglichen Bestände wieder zu erreichen, erscheint aber recht unrealistisch. Das Centre for Climate Repair in Großbritannien propagiert daher eine andere Lösung: Künstlicher Walkot soll in den Meeren ausgebracht werden, um das Planktonwachstum zu fördern und so zur Erholung der Fischbestände beizutragen. Theoretisch würde davon auch das Weltklima profitieren. Denn das Phytoplankton betreibt Photosynthese und entzieht der Atmosphäre somit schädliches CO2. Das Plankton wiederum wird von den Fischen gefressen. Wenn diese dann irgendwann sterben, wird ein Teil des CO2s dauerhaft im Meeresboden eingeschlossen. Wenn man so möchte, handelt es sich also um eine natürliche Form des umstrittenen CCS-Verfahrens.

Die künstlichen Walausscheidungen basieren auf Reishülsen

Hergestellt werden soll der künstliche Walkot mithilfe von Reishülsen. Diese schützen das Reiskorn während des Wachstums vor Sonne und Witterung. Während der Reisernte wird das Korn aber von der Hülse getrennt. Die Hülsen werden bisher zumeist gesammelt und schlicht verbrannt. Es gibt aber auch schon Ansätze, sie als Rohstoff – etwa für nachhaltige Kaffeebecher – zu verwenden. Die britischen Forscher wollen das preiswerte und leicht verfügbare Material nun eben auch für die Produktion von künstlichen Walausscheidungen nutzen. Der so hergestellte Kot soll dann zunächst auf einer vergleichsweise kleinen Fläche ausgebracht werden. Anschließend werden die Forscher beobachten, ob tatsächlich die gewünschten Effekte eintreten. Außerdem wird geschaut, inwiefern dieser menschliche Eingriff zu unerwünschten Nebenwirkungen führen könnte. Nach dieser Testphase wird dann entschieden, ob der Ansatz tatsächlich großflächig umgesetzt wird.


Via: Der Spiegel

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