Die Tübinger Firma Curevac steht aktuell im Fokus einer heftigen wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Der Hintergrund: Das Unternehmen forscht gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut an einem Impfstoff gegen das Corona-Virus. Offensichtlich sind die beteiligten Wissenschaftler dabei sehr erfolgreich. Denn inzwischen wurde sogar US-Präsident Trump auf die vergleichsweise kleine Firma aufmerksam. Sein Plan: Den potentiellen Impfstoff exklusiv für die Vereinigten Staaten zu sichern. Deswegen ist die US-Regierung mit milliardenschweren Angeboten an Curavec herangetreten. Auf diese Weise sollen entweder die Forschungsergebnisse aufgekauft oder sogar das ganze Team in die USA geholt werden. Darüber berichtete zunächst die „Welt am Sonntag“. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums bestätigte die Darstellung inzwischen.


Foto: Donald Tump, Gage Skidmore, Flickr, CC BY-SA 2.0

Auch die Bundesregierung bemüht sich um die Firma

Die Pläne von Trump und seiner Regierung stoßen hierzulande allerdings auf wenig Begeisterung. Denn der US-Präsident ist bekannt für seine „America First“ Strategie. Ein potentieller Impfstoff würde daher wohl für lange Zeit ausschließlich US-Bürgern zur Verfügung stehen. Genau dies möchte die Bundesregierung allerdings verhindern. Sie bestätigte offiziell, dass ein großes Interesse daran besteht, die Corona-Forschung in Deutschland und Europa zu halten. Medienberichten zufolge wird daher mit Curavec ebenfalls bereits über finanzielle Hilfen gesprochen. Curavec selbst betonte inzwischen in einer Pressemitteilung, dass man keine Exklusiv-Vereinbarung mit einem einzelnen Land anstrebe. Auch der Verkauf der Firma sei nicht geplant. Sollte es tatsächlich gelingen, einen wirksamen Corona-Impfstoff zu entwickeln, will ihn die Firma möglichst weltweit zur Verfügung stellen.

Trump gilt eigentlich als Impf-Kritiker

Wichtig zu betonen ist aber: Noch verfügt auch Curavec nicht über einen fertigen Impfstoff. Experten gehen davon aus, dass ein solcher frühestens im Jahr 2021 zur Verfügung stehen wird. Neben der Tübinger Firma arbeiten zudem noch zahlreiche weitere Firmen und Forschungseinrichtungen fieberhaft an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Virus. Dass Trump dennoch ein solches Interesse an der deutschen Firma hat, zeigt, dass er das Virus inzwischen doch sehr ernst nimmt. Zu Beginn der Krise hatte er die Gefahr hingegen noch heruntergespielt. Es entbehrt zudem nicht einer gewissen Ironie, dass nun ausgerechnet Trump  händeringend auf der Suche nach einem Impfstoff ist. Denn noch im Wahlkampf präsentierte er sich als Impf-Skeptiker und brachte Impfungen mit Autismus in Zusammenhang. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um eine mittlerweile eindeutig widerlegte Verschwörungstheorie.


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