Zwischen 1945 und 1962 führten die Vereinigten Staaten insgesamt 216 oberirdische Atomwaffentests durch. Diese wurden jeweils auf Video dokumentiert. Die so entstandenen Filmrollen wurden allerdings größtenteils nicht veröffentlicht, sondern zunächst wissenschaftlich ausgewertet und dann unter Verschluss gehalten. Über die Lagerung machte man sich dabei allerdings zunächst eher weniger Gedanken. Mittlerweile führt dies aber zu Problemen, weil die Filmrollen von Pilzen und Mikroben angegriffen werden und sich langsam zu zersetzen beginnen. Langfristig würde dieser Prozess dazu führen, dass die gespeicherten Filmaufnahmen für immer verloren wären. Das Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) hat daher nun damit begonnen, die alten Aufnahmen aufzuspüren, zu digitalisieren und erneut auszuwerten. Ein Teil soll zudem auch veröffentlicht werden.


Die Analyse der alten Videos brachte neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Einfach ist die Aufgabe allerdings nicht. Schätzungen der Experten zufolge gibt es in den Vereinigten Staaten insgesamt rund 10.000 solcher Filme, wovon bisher 6.500 gefunden werden konnten. Immerhin 4.200 wurden auch bereits gescannt und in digitaler Form für die Nachwelt gesichert. Die Analyse dauert allerdings deutlich länger: Bisher wurden zwischen 400 und 500 der alten Filmaufnahmen einer erneuten wissenschaftlichen Betrachtung unterzogen. Die Ergebnisse sind vielversprechend: „Als wir uns diese Filme ansahen, haben wir eine Vielzahl unterschiedlicher Informationen gefunden, die in den 50ern noch nicht analysiert wurden, außerdem haben wir neue Dinge bei diesen Detonationen entdeckt, die nie zuvor gesehen wurden“, erklärt der Nuklearwaffen-Physiker Greg Spriggs.


Ein Teil der Videoaufnahmen ist auf Youtube zu sehen

Möglich wird die Arbeit von Spriggs und seinen Kollegen, weil das US-Militär die Geheimhaltungsvorschriften der Filmaufnahmen gelockert hat. Allerdings werden die Aufnahmen zunächst noch einmal von einem Militär gesichtet. Dieser soll feststellen, ob möglicherweise militärisch noch relevante Dinge zu sehen sind. Ist dies nicht der Fall, dürfen die Videos sogar veröffentlicht werden. Bisher hat Spriggs mit seinem Team daher 63 Filmaufnahmen auf Youtube hochgeladen. Persönlich hofft der Kernwaffen-Physiker, dass diese Bilder dazu beitragen, dass sich der oberirdische Einsatz von Kernwaffen nicht mehr wiederholt: „Ich denke, wenn wir diese Historie sichern und zeigen, wie gewaltig diese Waffen sind und wie viel Zerstörung sie anrichten, dann kann das dazu führen, dass Leute vor einer Nutzung zurückschrecken.“ Dies kann durchaus auch als Mahnung an den neuen US-Präsidenten Donald Trump verstanden werden.

Via: New Atlas

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