In den 1980er Jahren rückte der Zustand der deutschen Wälder erstmals in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Damals ging sogar die Angst vor einem großflächigen Waldsterben um. Durch gezielte Gegenmaßnahmen konnte dies aber verhindert werden. Um den Zustand der Wälder genauer zu erfassen, wurde zudem im Jahr 1984 die sogenannte Waldzustandserhebung eingeführt. Seitdem werden rund 10.000 Bäume langfristig beobachtet. Die dabei auftretenden Schäden und Probleme lassen sich dann auf den gesamten Baumbestand in Deutschland hochrechnen. Schaut man sich nun den Bericht aus dem vergangenen Jahr an, sehen die Zahlen erneut alles andere als erfreulich auf. So konnte nur noch bei 21 Prozent der Bäume eine vollständig intakte Baumkrone dokumentiert werden. Dies ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.


Die letzten drei Sommer waren zu trocken

Auch in anderen Bereichen sieht es nicht viel besser aus. So starben 1,7 Prozent der untersuchten Bäume sogar vollständig ab. Der Wert lag damit rund zehnmal so hoch wie in normalen Jahren und stellt ebenfalls einen neuen Negativrekord dar. Verantwortlich dafür sind verschiedene Gründe. So spielten Stürme und Waldbrände eine Rolle. Besonders starke Auswirkungen dürfte aber die lang anhaltende Dürre und der darauf folgende Schädlingsbefall gehabt haben. Denn in den Sommern 2018, 2019 und 2020 war es jeweils ungewöhnlich trocken. Insbesondere Fichten wurden dadurch besonders anfällig für den Befall durch den Borkenkäfer. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, mussten massenhaft Bäume früher als geplant gefällt werden. Die Fichten waren daher auch besonders hart vom Baumsterben betroffen: Bei dieser Baumart starben sogar 4,7 Prozent der beobachteten Bäume innerhalb eines Jahres ab.


Die Konzentration auf Fichtenwälder erweist sich als fatal

In diesem Punkt rächen sich nun auch Verfehlungen der Vergangenheit. Denn viele Forstwirte haben sehr stark auf Fichtenwälder gesetzt. Der Grund: Die Bäume wachsen vergleichsweise schnell und gerade. Sie eignen sich daher gut zur Holzgewinnung und lassen sich einfach vermarkten. Die dadurch entstandenen Monokulturen sind aber ein Paradies für den Borkenkäfer. Während der Schädling einem gesunden Mischwald nicht viel anhaben kann, stellt er für reine Fichtenwälder eine enorme Gefahr dar. Inzwischen hat sich aber auch der wirtschaftliche Vorteil der Fichten relativiert. Denn weil so viele Bäume zwangsweise gefällt werden mussten, stieg auch das Angebot an Holz auf dem Markt. Die logische Folge: Die Preise fielen. Den Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge erhalten Waldbesitzer inzwischen für gefällte Fichten rund 35 Prozent weniger Geld als noch vor drei Jahren. Im Idealfall führt dies immerhin dazu, dass zukünftig wieder mehr Mischwälder angelegt werden.

Via: Der Spiegel

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