Anfang des Monats verabschiedete der Deutsche Bundestag die sogenannte Armenien-Resolution und erklärte damit das Massaker des osmanischen Reiches an den Armeniern 1915 und 1916 als Völkermord anerkannt. Dies verschlechterte das bereits stark angespannte Verhältnis (man denke nur an die Causa Böhmermann) mit der türkischen Regierung weiter. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan reagierte heftig auf den Beschluss des Bundestages, Höhepunkt seiner Entgleisungen war die Anmerkung, dass die türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten ihr Blut darauf untersuchen lassen sollten, ob sie wirklich Türken seien. Doch geht das überhaupt?


Blutvergiftung
Foto: „Bleeding finger“ Crystal (Crystl) aus Bloomington, USA – Flickr CC BY-SA 2.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Genetik: Grobe Aussagen über die Herkunft sind möglich

Erdogan ist nicht der einzige, der in letzter Zeit die Herkunftsbestimmung mittels DNA aufgreift. Die dänische Reisesuchmaschine Momondo hat eine Aktion gestartet, bei der die Speichelproben von Freiwilligen untersucht werden, um ihre Herkunft zu bestimmen. Die Teilnehmer können dann eine Reise in eben dieses Herkunftsland gewinnen.

Doch geht das überhaupt? Lässt sich mittels unserer DNA wirklich bestimmen, in welchem Land wir geboren wurden? Fakt ist, dass es durchaus möglich ist, anhand der Gene eines Menschen grob festzustellen, in welcher Region der Erde er geboren wurde. Normale DNA-Tests geben durchaus Informationen darüber her, ob es sich bei der untersuchten Probe um die eines Europäers, Asiaten oder Afrikaners handelt. Genauere Untersuchungen können die Region dann noch weiter einschränken. Dazu betrachten Wissenschaftler charakteristische Stellen in der DNA und vergleichen diese mit dem Erbgut von Menschen aus bestimmten Regionen. Anhand der Übereinstimmungen lässt sich mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit sagen, ob ein Europäer beispielsweise aus Nordeuropa oder dem Mittelmeerraum kommt.


Keine Feststellung der Herkunft auf Länderebene

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sich anhand der DNA auf das Geburtsland schließen lässt. Tatsächlich ist dies faktisch so gut wie unmöglich. Länder wie die Türkei oder auch Deutschland weisen eine genetisch zu große Vielfalt auf, als dass derartige Schlüsse möglich wären. Die Behauptung, es gäbe “genetische Türken” oder “genetische Deutsche” gehört daher eher in die Welt der Rassentheorie. Der boshafte Vorschlag Erdogans, die Abstammung der türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten verifizieren zu wollen, ist also so auch nicht umsetzbar. Im Übrigen machte der Präsident des Deutschen Bundestags, Norbert Lammert, sehr gut deutlich, was er von solchen Ideen hält.

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