Wer ein neues Kohle-, Öl- oder Gasprojekt plant, hält dessen Treibhausgase gern für eine Randnotiz. Gemessen an den weltweiten Emissionen wirkt jedes einzelne Vorhaben winzig, und viele Genehmigungsunterlagen betonen genau das. Ein Forschungsteam um Nerilie Abram von der Australian National University widerspricht jetzt mit Zahlen. Es hat am Beispiel des australischen Gasprojekts Scarborough berechnet, welche zusätzliche Erwärmung und welche Folgen ein einzelnes Vorhaben auslöst.


Kohle
Symbolbild: Coal power-plant and oilseed rape, martin, Flickr, CC BY-SA 2.0 

Die Rechnung hinter dem Wort „vernachlässigbar“

Der Projektantrag von Scarborough hält fest, die Emissionen ließen sich mit keiner konkreten Klimafolge verknüpfen, weil sie im globalen Maßstab verschwindend klein seien. Das Vorhaben vor der Küste Westaustraliens soll 2026 mit der Förderung von Flüssigerdgas beginnen und 31 Jahre laufen. Über diese Zeit setzt es laut Antrag 876 Millionen Tonnen CO₂ frei.

Die Forscher:innen nutzen die Transient Climate Response to CO₂ Emissions (TCRE). Der Weltklimarat IPCC setzt als besten Schätzwert 0,45 Grad Celsius zusätzliche Erwärmung je 1.000 Gigatonnen CO₂ an. Skaliert auf Scarborough ergeben sich 0,00039 Grad, bei einem wahrscheinlichen Bereich von 0,00024 bis 0,00055 Grad.


Kleine Zahl, große Folgen

Die Studie koppelt diesen Wert an veröffentlichte Zusammenhänge zwischen Erwärmung und Klimafolgen. Rund 516.000 Menschen wären demnach zusätzlich Temperaturen oberhalb des heißen Rands der menschlichen Klimanische ausgesetzt, weitere 356.000 lebten außerhalb dieser Nische. In 854 europäischen Städten kämen bis 2100 im mittleren Szenario 484 hitzebedingte Todesfälle hinzu. Rechnet das Team weniger Kältetote dagegen, bleiben netto 118, und der Unsicherheitsbereich reicht bis unter null. Am Great Barrier Reef gingen bei jeder künftigen Massenbleiche im Mittel rund 16 Millionen zusätzliche Korallenkolonien verloren.

Im Jahr 2049 würde Scarborough allein 49 Prozent des jährlichen australischen CO₂-Budgets beanspruchen. Nach 2050 müsste Australien diese Emissionen dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen. Die weltweite technische CO₂-Entnahme lag 2023 bei nur 0,04 Millionen Tonnen, das sind 0,6 Prozent der geplanten jährlichen Scarborough-Emissionen.

Modellrechnung mit Grenzen

Die Folgen sind Modellschätzungen. Die Emissionsmenge übernehmen die Autor:innen unverändert aus den Projektunterlagen, ihre Unsicherheit steckt in keinem der Ergebnisbereiche. Hitzetote konnte das Team nur für Europa beziffern, weil dort passende Gesundheitsdaten vorlagen. Die Methode steckt inzwischen im frei zugänglichen Carbon Impacts Tracer, der sie auf weitere Projekte und frei eingegebene Emissionsmengen überträgt.

 

via Australian National University

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