Solarenergie kann an vielen Orten weltweit inzwischen sehr günstig produziert werden. Auch Deutschland will den Anteil am Strommix deutlich ausbauen. Bei der Produktion der benötigten Solarmodule droht aber eine nicht unbedenkliche Abhängigkeit von China. Grundsätzlich bringt Solarenergie aber den Nachteil mit sich, dass die Produktion schwankend ist. Denn nicht immer scheint die Sonne gleich stark. Außerdem gibt es den Wechsel zwischen Tag und Nacht. Solarenergie eignet sich daher nur bedingt als Grundlastenergie. Theoretisch gilt dies aber nur für Solarstrom, der auf der Erde produziert wird. Würde man die Solarmodule hingegen im Weltall platzieren, könnte diese Problematik umgangen werden. Denn dort scheint die Sonne dauerhaft. Aus rein technischer Sicht ist ein solches Vorhaben auch weniger futuristisch als man zunächst annehmen würde. Allerdings sind gewaltige Investitionen nötig, um die benötigte Infrastruktur zu errichten. Im Gegenzug bieten sich aber auch große Chancen.


Sonne
Foto: Magnificent CME Erupts on the Sun – August 31, NASA Goddard Space Flight Center, Flickr, CC BY-SA 2.0

Die Satelliten wären um ein Vielfaches größer als die ISS

So hat die Europäische Raumfahrtagentur ESA den beteiligten Regierungen vorgeschlagen, ein neues Programm namens Solaris ins Leben zu rufen. Durch Studien und gezielte technologische Entwicklungen soll dabei die Erzeugung von „Space Based Solar Power“ ermöglicht werden. Darauf aufbauend könnte dann ab dem Jahr 2035 mit dem Aufbau der Stromversorgung aus dem All begonnen werden. Dazu müssten rund zwanzig Satelliten mit großen Solarpanelen im Weltall platziert werden. Dies klingt erst einmal nach einer machbaren Aufgabe. Allerdings müsste jeder dieser Satelliten um ein Vielfaches größer sein als die Internationale Raumstation. Alleine für den Aufbau des Systems würde daher eine wieder verwertbare Schwerlastrakete benötigt, die einmal pro Woche in Richtung Weltall starten kann. Der im Weltall erzeugte Strom würde dann über Mikrowellen in Richtung Erde geschickt. Dort müssten dafür Anlagen mit einer Grundfläche von siebzig Quadratkilometern errichtet werden, die den Ökostrom aus dem Weltall in Empfang nehmen.

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Erste Berechnungen versprechen ein finanzielles Plus

Die Experten der ESA gehen davon aus, dass auf diese Weise ab dem Jahr 2050 rund 800 Terawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden können. Dies entspräche immerhin einem Drittel der heutigen Stromproduktion in der Europäischen Union. Wie bereits erwähnt könnte der Solarstrom zudem auch als Grundlastenergie genutzt werden. Große fossile Kraftwerke könnten dadurch tatsächlich überflüssig werden. Außerdem würde sich der Bedarf an Energiespeichern reduzieren. Die ESA hat zudem die Beratungsfirma Frazer-Nash die Sache einmal im Detail ausrechnen lassen. Demnach müssten bis zum Jahr 2070 insgesamt 418 Milliarden Euro investiert werden, um die geplanten Mengen an Ökostrom im All zu erzeugen. Im Gegenzug könnten aber auch Einsparungen und finanzielle Vorteile im Wert von 601 Milliarden Euro realisiert werden. Letztlich würde sich die Sache demnach also rentieren. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Nun liegt es an den politischen Entscheidungsträgern, ob sie bereits sind, die damit verbundenen Risiken einzugehen.

Via: ESA

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