Für die Altersfreigabe von Filmen gibt es jetzt ein messbares Kriterium. Forscher am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz haben herausgefunden, dass die Isopren-Konzentration in der Luft eines Kinosaals, in dem ein Film vorgeführt wird, Aufschluss darüber gibt, wie aufgeregt und nervös sie das Lichtspiel macht. Isopren ist ein Kohlenwasserstoff, den der menschliche Körper abgibt.


Test mit 13.000 Zuschauern

„Isopren scheint ein gutes Maß für die Anspannung einer Gruppe sein“, sagt Jonathan Williams, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Chemie. „Unser Ansatz kann also objektive Hinweise geben, wie Filme klassifiziert werden sollten.“ Je mehr Isopren desto höher muss die Alterseinstufung sein. Bei 135 Vorführungen von elf verschiedenen Filmen haben die Forscher die Luftzusammensetzung im Kinosaal gemessen. Sie interessierten sich für die Konzentration flüchtiger organischer Verbindungen, kurz VOC für Volatile Organic Compounds, darunter Isopren. Beteiligt waren rund 13.000 Zuschauer. Dabei stellte sich heraus, dass Isopren ein guter Gradmesser für die Altersfreigabe ist.


Isopren entsteht beim Stoffwechsel

Isopren wird beim Stoffwechsel gebildet und in den Muskeln eingelagert. Wenn Menschen sich bewegen, wird es über den Blutkreislauf und die Atmung, aber auch über die Haut freigesetzt. „Offenbar rutschen wir im Kinosessel unwillkürlich hin und her oder spannen Muskeln an, wenn wir nervös und aufgeregt sind“, so Williams. Wie buchstäblich angespannt das Publikum einen Film verfolgt, liefert wiederum ein gutes Indiz dafür, wie belastend der Streifen auf Kinder und Jugendliche wirkt. Bisher wird die Altersfreigabe nach dem subjektiven Eindruck der Prüfer festgelegt. Die Isopren-Messung könnte in den Fällen helfen, in denen die Kommission uneins ist, so die Max-Planck-Forscher.

Massenspektrometer liefert die Daten

Um die Konzentration zu messen leiteten die Forscher die Abluft des Kinosaals durch ein Massenspektrometer, ein Gerät, das selbst winzige Konzentrationen an Gasen ermittelt. Alle 30 Sekunden wurde die Zusammensetzung der Luft analysiert und wie sie sich verändert. Gemessen wurden 60 verschiedene chemische Verbindungen. Auf der Grundlage dieser Messungen erstellte das Team ein Modell, das die Daten mit der Altersklassifikation in Relation setzt. Es zeigte sich, dass auf dieser Basis eine Altersklassifizierung von Filmen möglich ist.

via MPG

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