Spät in der Nacht, wenn es kaum noch Schiffsverkehr auf den Grachten Amsterdams gibt, ist dort ein leises Summen zu hören. Rechteckige Boote sind unterwegs, die mit ihren Fangarmen Plastiktüten, Fahrräder und anderen Unrat aus dem Wasser fischen. Das machen sie vollkommen autonom, kein Mensch ist an Bord.


Mehr als 80 Kilometer Wasserwege

So stellen sich die Stadtverwaltung der niederländischen Metropole und Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/USA die Zukunft vor. Schon 2016 setzten die US-Wissenschaftler ein Boot in eine der Grachten, das autonom seinen Weg zu einem einprogrammierten Ziel fand. Die künftigen Wasserfahrzeuge sollen weit mehr können und nicht nur Müll sammeln. Am Tag werden sie, ebenfalls ohne Schiffsführer an Bord, Menschen und Fracht auf den 165 Grachten, die insgesamt mehr als 80 Kilometer lang sind, befördern. Sie nehmen ein Viertel der städtischen Fläche ein. Damit sollen die Straßen entlastet werden, die die Umwelt durch Lärm und Abgase beeinträchtigen.


Roboats formieren sich zu Brücken und Marktplätzen

Die Boote sind mit vielerlei Sensoren, einem Navigationssystem, Kameras, Mikrocontrollern und einem Sende- und Empfangssystem ausgestattet. Fahrgäste können die Boote in einer Zentrale bestellen, indem sie Start- und Zielpunkt nennen sowie die gewünschte Abfahrtszeit. Das Boot ist dann pünktlich zu Stelle und transportiert den Anrufer und andere, die ähnliche Ziele haben, zum Wunschziel. Haben sich besonders viele Fahrgäste für einen bestimmten Kurs angemeldet, koppeln sich zwei oder mehr Boote selbstständig aneinander. Das dauert ganze zehn Sekunden, wenn sie einen Abstand von einem Meter haben.

Die neuen autonom fahrenden Boote können sich auch zu einer Brücke zusammenschließen.

Wenn auf einer der Grachten vorübergehend eine Fußgängerbrücke benötigt wird: Die von Elektromotoren angetriebenen Reboats (von „Roboter“ und „Boat“/Boot) formieren sich entsprechend. Auch wenn eine Seebühne benötigt wird oder ein Marktplatz. Dass die Boote dazu in der Lage sind haben sie schon bewiesen: Im Schwimmbad der renommierten Hochschule.

Zeit, Kosten und Energie werden eingespart

„Früher wurden die Grachten für den Transport von Menschen und Waren genutzt“, weiß Luis Mateos, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Daniela Rus, Professorin für Computerwissenschaften und künstliche Intelligenz, die das Reboat entwickelt haben. Heute hätten diese Aufgabe weitgehend Straßenfahrzeuge übernommen. Jetzt sollen die Grachten als Transportweg wiederbelebt werden. Dafür seien autonom fahrende Boote ideal, meint Mateos: „Sie sparen Zeit, Kosten und Energie.“

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