Österreich hatte international zuletzt vor allem mit Negativschlagzeilen zu kämpfen. So musste Bundeskanzler Sebastian Kurz wegen Korruptionsermittlungen gegen ihn zurücktreten. Noch nicht vergessen ist auch die Ibiza-Affäre, die das politische Ende des damaligen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache bedeutete. Der aktuell regierenden Koalition aus ÖVP und Grünen dürfte es daher durchaus gut tun, dass ihr neuestes Projekt auch international hochgelobt wird. So sprach CNN beispielsweise von einer im weltweiten Vergleich positiv herausstechenden Lösung. Konkret geht es um das sogenannte Klimaticket. Dieses ermöglicht es, sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel in Österreich zum Preis von 1095 Euro pro Jahr zu nutzen. Dies gilt für den ÖPNV in sämtlichen Städten ebenso wie für den Fernverkehr auf der Schiene. Theoretisch kann man nun also die rund 700 Kilometer lange Strecke zwischen der Schweizer und der Slowakischen Grenze jeden Tag zum Preis von drei Euro zurücklegen – und vor Ort jeweils noch die lokalen Busse nutzen.


Bild: Herbert Ortner, Vienna, Austria, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

Der Verkehrssektor trägt bisher nicht zum Klimaschutz bei

Durchgesetzt wurde das Klimaticket von den österreichischen Grünen. Diese versprechen sich dadurch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Denn der Verkehrssektor ist der einzige Bereich, in dem die Klimaemissionen in den letzten drei Jahrzehnten nicht gesunken sind. Dies hängt in erster Linie mit dem Verhalten der Menschen zusammen. Denn grundsätzlich sind Autos heute deutlich sparsamer unterwegs als in der Vergangenheit und verursachen somit auch weniger CO2-Emissionen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Autos und der Autofahrten aber so erhöht, dass der Einspareffekt wieder aufgefressen wurde. Oftmals wird dies auch mit der mangelnden Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel begründet. Zumindest preislich will Österreich hier nun Abhilfe schaffen. Denn im Vergleich mit den Nachbarländern ist das Klimaticket extrem attraktiv. So kostet die Bahncard 100 in Deutschland mehr als 4.000 Euro. Das sogenannte Generalabo in der Schweiz wiederum kostet umgerechnet rund 3.000 Euro.

Mehr als 70.000 Klimatickets wurden bereits verkauft

Grundsätzlich scheinen die Österreicher Bahnfahrten gegenüber nicht völlig abgeneigt zu sein. Innerhalb der Europäischen Union belegt das Land den Spitzenplatz in Sachen zurückgelegte Zugkilometer pro Kopf. Auf der anderen Seite werden aber rund sechzig Prozent der Individualwege auch weiterhin mit dem Auto absolviert. Hier soll das Klimaticket dafür sorgen, dass sich dieser Wert verringert. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass dies gelingen könnte. So bildeten sich in den Tagen nach dem Verkaufsstart lange Schlangen vor den Verkaufsstellen. Insgesamt wurden inzwischen schon mehr als 70.000 Klimatickets verkauft. Nun muss sich zeigen, ob es sich dabei um Menschen handelt, die ohnehin mit Bus und Bahn gefahren wären oder ob auch neue Kunden gewonnen werden können. Das Experiment lässt sich der österreichische Staat durchaus etwas kosten: Das Klimaticket wird mit rund 150 Millionen Euro pro Jahr bezuschusst.


Via: Tagesschau

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