Zunächst einmal die nackten Zahlen: Der US-Elektroautopionier Tesla hat im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt 184.877 Fahrzeuge verkauft. Damit konnte der Wert gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt werden. Dies wiederum erfreut auch die Bilanz des Konzerns: Der Umsatz stieg auf 10,4 Milliarden Dollar. Nach Abzug aller Kosten ergab sich so ein Gewinn in Höhe von 438 Millionen Dollar. Der früher für seine notorischen Verluste belächelte Konzerne schloss damit das siebte Quartal in Folge mit einem Gewinn ab. Offensichtlich ist es Tesla also inzwischen gelungen, die anfänglichen Probleme bei der Produktion des Model 3 endgültig zu überwinden. Allerdings lässt sich der Rekordgewinn im ersten Quartal nicht alleine auf besonders gut gebaute Autos zurückführen. Stattdessen spielen die folgenden vier Punkte eine Rolle:


Bild: Tesla

Diese vier Punkte sorgten für den Rekordgewinn

1. Die Kosten sind gesunken. Die hohen Auslieferungszahlen sind möglich, weil die meisten Kunden sich für die preisgünstigen Modelle 3 und Y entscheiden. Folgerichtig sank der Verkaufspreis pro Fahrzeug sogar um dreizehn Prozent. Trotzdem stieg die Gewinnmarge, weil es gleichzeitig gelang die Kosten pro Fahrzeug zu senken. Die Prozesse des Autobauers werden also immer effizienter – was einen großen Vorteil gegenüber neu gegründeten Startups darstellt. Oder um es mit Elon Musk zu sagen: „Prototypen sind trivial, ein Kinderspiel. Produktion ist hart.“

2. Die Bitcoin-Spekulation ging auf. Tesla sorgte vor einigen Monaten weltweit für Schlagzeilen, weil das Unternehmen einen Teil seiner liquiden Mittel in Bitcoin anlegte. Dies und einige unterstützende Tweets von Elon Musk ließen den Kurs der Cryptowährung in die Höhe schießen. Dies wiederum nutzte der Autobauer, um im März Bitcoins im Wert von 272 Millionen Dollar zu verkaufen – und damit einen Gewinn in Höhe von 101 Millionen Dollar einzufahren. Der Kurs der Währung gilt allerdings als extrem volatil. Es ist also fraglich, ob sich solche Gewinne zukünftig wiederholen lassen.


3. Der Emissionshandel. Unter anderem in Europa und im US-Bundesstaat Kalifornien müssen Autobauer für verkaufte Fahrzeuge Emissionszertifikate vorweisen können. Ein Teil davon erhalten die Konzerne vom Staat zugeteilt. Wer mehr benötigt, muss diese auf dem Markt zukaufen. Hier kommt nun Tesla ins Spiel. Denn der Konzern verkauft ausschließlich Elektroautos und benötigt somit gar keine Emissionszertifikate. Mit dem Verkauf der Emissionsrechte machte Tesla somit alleine im ersten Quartal einen Umsatz von 518 Millionen Dollar.

4. In China boomt die Nachfrage. Zu Beginn der Corona-Pandemie war China von den Folgen besonders hart getroffen. Inzwischen ist es dem Land allerdings gelungen, die Krankheit weitgehend unter Kontrolle zu bekommen. Die chinesische Wirtschaft läuft daher schon fast wieder so wie vor der Krise. Davon profitiert auch Tesla, weil es sich hier um den mit Abstand wichtigsten Auslandsmarkt handelt. Auch im ersten Quartal dieses Jahres zogen die Verkaufszahlen im Reich der Mitte an.

Die Konkurrenz greift Tesla immer stärker an

Trotz dieser eigentlich guten Zahlen fiel die Tesla-Aktie zunächst um rund 2,5 Prozent. Dies hängt mit zwei Faktoren zusammen. Zum einen ist das Unternehmen schon enorm hoch bewertet: Mit einer Börsenwert von mehr als 700 Milliarden Dollar liegt Tesla auf Platz sechs der wertvollsten Unternehmen der USA. Außerdem sahen die meisten Analysten den eher vagen Ausblick in die Zukunft mit Skepsis. Denn noch profitiert Tesla auf dem Markt für Elektroautos von seiner Pionierrolle und einem gewissen technologischen Vorsprung. Inzwischen haben aber auch zahlreiche renommierte Autobauer eigene E-Autos auf den Markt gebracht. So gibt es alleine bei den deutschen Autobauern mit dem Audi E-Tron, dem Porsche Taycan und dem VW ID.3 gleich mehrere Fahrzeuge, die Tesla in unterschiedlichen Marktsegmenten angreifen wollen. Der Wettbewerb dürfte sich in den nächsten Jahren also deutlich erhöhen.

Via: Handelsblatt

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