In kaum einem anderen Land der Welt liegt der Anteil der Kohle am Strommix so hoch wie in Südafrika. Verantwortlich dafür ist der staatliche Monopolist Eskom. Der wiederum galt einst als afrikanisches Vorzeigeunternehmen. Inzwischen ist von diesem Ruf aber nicht mehr viel geblieben. Konstante Misswirtschaft führte zwar zu immer mehr Mitarbeitern, nicht aber zu der notwendigen Erhöhung der Kapazitäten. So beschäftigt der Konzern heute mehr als doppelt so viele Menschen wie vor zwölf Jahren, produziert aber weniger Strom als damals – und das bei einem viermal so hohen Preis. Die Folge: Im Land kommt es immer wieder zu Stromabschaltungen. Teilweise müssen die Einwohner bis zu zehn Stunden ohne staatliche Stromversorgung auskommen. Als es im Jahr 2008 schon einmal zu einer solchen Situation kam, fiel den Eskom-Managern nur eine altbekannte Lösung ein: Sie bauten im Norden des Landes zwei neue Kohlekraftwerke.


Bild: Gerhard Roux <gerhard@sundown.homeip.net> [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Südafrika war einst Vorbild in Sachen Erneuerbare Energien

Diese allerdings liefern aufgrund zahlreicher technischer Mängel bis heute nicht die geplante Menge an Strom. Da rächt es sich nun, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Südafrika nicht konsequent vorangetrieben wurde. Ursprünglich allerdings waren die Ziele in diesem Bereich durchaus ambitioniert. So kündigte das Land Anfang des Jahrzehnts an, die eigenen Klimaemissionen um mehr als vierzig Prozent reduzieren zu wollen. Der Plan: Erneuerbare Energien sollten zumindest einen Teil der Kohleverstromung ersetzen. Alleine im Jahr 2011 investierten daher private Investoren rund zwölf Milliarden Euro in entsprechende Projekte. Die Folge: Die Preise für Wind- und Solarstrom sanken und grüner Strom wurde konkurrenzfähig. Dann aber stoppte der damalige Präsident Jacob Zuma im Jahr 2016 sämtliche staatliche Unterstützung für die Erneuerbaren Energien. Stattdessen wollte er das Land durch Atomkraft mit Strom versorgen.

Politische Entscheidungen blockierten den Ausbau

Aus wirtschaftlicher Sicht ergaben diese Pläne aber nur sehr wenig Sinn. Über die Motivation Zumas kann daher nur spekuliert werden. Letztlich jedenfalls stürzte er im vergangenen Jahr über verschiedene Vorwürfe und wurde durch Cyril Ramaphosa ersetzt. Dieser bemüht sich zwar wieder um den Ausbau der Erneuerbaren. Doch zum einen ist wichtige Zeit verloren gegangen. Zum anderen müssen auch die privaten Investoren erst wieder Vertrauen fassen. So liegen die Investitionen aus diesem Bereich heute nur rund ein Drittel so hoch wie noch im Jahr 2011. Dabei bringen die Erneuerbaren Energien eine Reihe von Vorteilen mit sich. Zum einen lassen sich die Anlagen innerhalb von nur zwei Jahren errichten. Die Probleme können also vergleichsweise schnell gelindert werden. Außerdem sind die einzelnen Projekte nicht so kostspielig, was die Bilanz der Unternehmen entlastet.


Der Privatsektor setzt teilweise schon auf eigene Lösungen

Mittelfristig sind sich Experten daher auch sicher, dass grüner Strom in Südafrika eine nachhaltige Versorgung sicherstellen wird. Selbst wenn der staatliche Monopolist dieser Aufgabe nicht gewachsen sein sollte, könnte immer noch die Privatwirtschaft einspringen. Sichtbar ist dies teilweise heute schon. Denn je öfter der Strom im Land abgestellt wird, desto mehr Unternehmen investieren in eigene Anlagen zur Stromerzeugung. Klassischerweise werden dafür Dieselgeneratoren genutzt. Weil deren Betrieb auf Dauer aber recht kostspielig ist, investieren auch immer mehr Firmen in den Bau von privaten Wind-, Solar- oder Biogasanlagen. Die Regierung flankiert dies durch eigene ambitionierte Pläne: Bis zum Jahr 2030 sollen die Erneuerbaren Energien für rund ein Viertel des Strommixes verantwortlich zeichnen. Aktuell liegt ihr Anteil bei mageren vier Prozent.

Via: Handelsblatt

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