Viren stehen schon seit langem im Fokus der Wissenschaft. Dennoch sind bis heute viele Fragen ungeklärt. Beispielsweise lässt sich nicht einmal abschätzen, wie viele Viren-Arten es auf der Erde gibt. Wer in diesem Bereich forscht, muss daher stets mit Überraschungen rechnen. So suchte ein Forscherteam der brasilianischen Universität Minas Gerais in einem künstlichen See in der Nähe der brasilianischen Stadt Belo Horizonte nach sogenannten Riesen-Viren. Dabei stießen sie allerdings auch auf ein deutlich kleineres bisher unbekannte Virus. Sie gaben ihm den Namen Yara-Virus – benannt nach der Wassergöttin aus der Mythologie der indigenen Völker. Anschließend machten sie sich daran, das Genom des Virus zu sequenzieren.


Bild: Boratto et al., 2020, bioRxiv

90 Prozent des Erbguts ist noch unbekannt

Dabei entdeckten sie zahlreiche Gene, die sich keinem bisher bekannten Ursprung zuordnen ließen. Mit den klassischerweise genutzten Standardverfahren konnten sogar gar keine Übereinstimmungen gefunden werden. Bei der genaueren Analyse stellte sich aber heraus, dass es zumindest bei einem Teil des Erbgutes bereits bekannte entfernte Verwandtschaften gab. Dennoch blieb die Tatsache: 90 Prozent der entdeckten Gene wurden zuvor in der wissenschaftlichen Literatur noch nicht beschrieben. Das Team um den brasilianischen Forscher Jônatas Abrahão will sich nun näher mit dem unbekannten Erbgut beschäftigen und so neue Erkenntnisse gewinnen. Möglicherweise muss dann sogar eine ganz neue Gruppe von Viren klassifiziert und beschrieben werden.

Die Ergebnisse wurden noch nicht überprüft

Für die beteiligten Wissenschaftler ist die Entdeckung des Yara-Virus aber vor allem ein Zeichen dafür, dass die Wissenschaft noch viel über Viren und ihre Herkunft lernen muss. „Die Anzahl an unbekannten Proteinen, die im Yara-Virus existieren, reflektiert die Vielseitigkeit, die in der Welt der Viren existiert und wie groß das Potential an bisher noch unentdeckten neuen viralen Genomen ist, die noch entdeckt werden müssen“, formulieren die Forscher in ihrer Studie. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse über die Untersuchung des neuen Virus auf dem Biologie-Preprint-Server „bioRxiv“. Eine Überprüfung der Ergebnisse durch unabhängige Wissenschaftler – das sogenannte Peer-Review-Verfahren – steht somit noch aus.


Via: Science Alert

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