China hat den weltweit ersten Quantencomputer mit zwei parallel arbeitenden Prozessorkernen vorgestellt. Hanyuan-2 basiert auf neutralen Atomen und kommt ohne die Tiefkühlinfrastruktur aus, die sonst fast jeden Quantenrechner an Speziallabore bindet. Das System verbraucht weniger als sieben Kilowatt, lässt sich in konventionellen Rechenzentren betreiben und hat bereits einen Vorgänger, der erste Industriekunden gewonnen hat.

Chinesische Forscher:innen haben mit Hanyuan-2 einen Quantencomputer vorgestellt, der nach Angaben der Entwickler der erste seiner Art mit einer Dual-Core-Architektur ist. Das System stammt von CAS Cold Atom Technology, einem Unternehmen aus Wuhan, das der Chinesischen Akademie der Wissenschaften angegliedert ist, und soll die chinesische Quantenforschung von der Laborwelt in den industriellen Einsatz führen.


Symbolbild

Neutrale Atome statt tiefgekühlter Schaltkreise

Die meisten heutigen Quantencomputer brauchen Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt und verschlingen entsprechend viel Energie. Hanyuan-2 geht einen anderen Weg: Das System basiert auf neutralen Atomen, also Atomen ohne elektrische Ladung. Diese lassen sich mit Laserkühlung kontrollieren, ohne dass die gesamte Anlage in eine Tiefkühlkammer muss. Tang Biao, Geschäftsführer von CAS Cold Atom Technology, beschreibt das Gerät als kompaktes Schranksystem, das mit weniger als sieben Kilowatt Gesamtleistung auskommt – ein Bruchteil des Energiehungers vergleichbarer Systeme. Damit lässt sich Hanyuan-2 in konventionellen Rechenzentren betreiben, ohne besondere Infrastruktur.

Zwei Kerne, ein System

Das namensgebende Merkmal ist die Dual-Core-Architektur: Hanyuan-2 verfügt über zwei Quantenprozessorkerne, die parallel arbeiten. Staatliche chinesische Medien vergleichen das mit zwei Gehirnen, die gemeinsam denken. Die Kerne können Rechenaufgaben aufteilen und sich gegenseitig bei der Fehlerkorrektur helfen, was Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Berechnungen verbessern soll. Das System arbeitet mit 200 Qubits. Laut den Entwickler:innen haben zentrale Kennwerte wie die Kohärenzzeit, also die Zeitspanne, in der ein Qubit seinen Quantenzustand stabil hält, weltweites Spitzenniveau erreicht.


Vom Labor zum Markt

Hanyuan-2 ist nicht das erste System dieser Forschungsgruppe. Sein Vorgänger Hanyuan-1 sicherte sich im November 2025 erste Verträge mit Kund:innen in China und im Ausland. Der Schritt von der Forschungsplattform zum verkaufsfähigen Produkt ist in der Quanteninformatik selten: Die meisten Hersteller:innen kämpfen noch damit, Systeme mit Dutzenden oder Hunderten Qubits stabil und skalierbar zu machen. Tang beschreibt die Strategie seines Unternehmens als bewusst praxisorientiert. Statt nach immer größeren Qubit-Zahlen zu streben, konzentriert sich CAS Cold Atom Technology auf Stabilität und Alltagstauglichkeit Das Ziel dabei ist, Quantenrechner in industrielle Prozesse zu integrieren, lange bevor universelle Großrechner verfügbar sind.

via Interesting Engineering

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