Die Poliomyelitis galt lange Zeit als große Gefahr für Kinder auf aller Welt. Denn die Krankheit greift das Nervensystem an und kann innerhalb von Stunden zur Lähmung führen. Weil davon insbesondere Kleinkinder im Alter von bis zu fünf Jahren betroffen sind, bezeichnet man die Krankheit in Deutschland auch als „Kinderlähmung“. In Deutschland wird bereits seit den 1960er Jahren ein Impfstoff eingesetzt, der die Zahl der Fälle innerhalb weniger Jahre um 99 Prozent reduzierte. Im Jahr 1990 schließlich fand die letzte Ansteckung auf deutschem Boden statt. In Afrika war die Krankheit zu diesem Zeitpunkt aber noch keineswegs besiegt. Vielmehr gab es im Jahr 1996 auf dem Kontinent noch 75.000 Kinder mit Polio. Betroffen waren zudem alle afrikanischen Staaten. Dann aber startete der südafrikanische Präsident Nelson Mandela gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO eine groß angelegte Impfkampagne.


Bild: Gregor Rom / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Zuvor wurden in Afrika nur die Pocken ausgerottet

Diese war von vielen Schwierigkeiten begleitet: Marode Gesundheitssysteme, unkontrollierte Migrationsströme, mangelnde Infrastruktur und kriegerische Auseinandersetzungen waren nur einige der Probleme. Doch die zahlreichen Helfer ließen sich auch durch Morde nicht entmutigen und konnten nun einen wichtigen Erfolg erringen: Seit drei Jahren ist in Afrika kein wilder Fall einer Polio-Ansteckung mehr aufgetreten. Die Krankheit gilt damit auf dem Kontinent als ausgerottet. Was dies für eine gewaltige Leistung ist, zeigt ein simpler Fakt: Es ist – nach den Pocken – erst die zweite Krankheit überhaupt, bei der dies in Afrika gelungen ist. Ganz gebannt ist die Gefahr allerdings noch nicht. So gibt es immer noch die theoretische Möglichkeit, dass sich Menschen über den Lebendimpfstoff infizieren. Der Hintergrund: Geimpfte Personen scheiden über ihren Stuhlgang für einige Zeit vermehrungsfähige Viren aus. Bei mangelnder Hygiene können sich dadurch nicht geimpfte Personen anstecken.

Afghanistan und Pakistan sind die letzten beiden Problemfälle

Auch in den kommenden Jahren ist es daher wichtig, die Impfraten auf dem afrikanischen Kontinent möglichst hoch zu halten. Zumal noch eine zweite Gefahr besteht: In Afghanisatan und Pakistan traten im vergangenen Jahr noch wilde Polio-Fälle auf. Theoretisch ist es denkbar, dass sich die Krankheit von dort aus auch wieder in bereits als sicher geltende Regionen ausbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation investiert daher aktuell viele Ressourcen, um auch die letzten Herde der Krankheit möglichst bald auszurotten. Während die Weltgemeinschaft bei der Bekämpfung der Kinderlähmung also auf dem richtigen Weg zu sein scheint, gibt es bei anderen Krankheiten noch massiven Nachholbedarf. So gilt die Tuberkulose inzwischen als tödlichste Infektionskrankheit weltweit, obwohl es auch hier einen Impfstoff gibt.


Via: Die Zeit

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