Das Schwein als Fleischlieferant: Dieses stumpfe Bild ignoriert alles, was diese Tiere sonst noch ausmacht. Trotzdem hat es sich allgemein etabliert, obwohl bereits der eine oder andere Zweifel an uns nagt. Sauber sollen sie sein, die rosafarbenen Vierbeiner, und erstaunlich schlau, so ein neuer Narrativ, der uns erreicht. Und jetzt können diese oftmals verachteten Tiere auch noch Computerspielen!


Ein Schwein ist viel mehr als einfach nur ein „Nutztier“

Keine Hände, weitsichtige Augen: der Nachteil der Schweine

Affen sind ziemlich intelligent, keine Frage. Und sie haben dem Schwein zwei wichtige körperliche Attribute voraus, die es ihnen ermöglicht, ihre Umwelt gezielt zu manipulieren: geschickte Hände und gute Augen. Schweine haben leider nur ihren Rüssel zur Verfügung, wenn es darum geht, Gegenstände in ihrem Umfeld zu bewegen. Zudem sind diese Tiere auch noch weitsichtig, sodass alles, was ihnen nah vor Augen ist, verschwimmt. Aus diesen Gründen taten sich die Hausschweine Hamlet und Omelette sowie die Mini-Schweine Ebony und Ivory zunächst schwer, den Umgang mit dem Joystick zu erlernen und ihre Aktionen mit den Bewegungen auf dem Bildschirm in Zusammenhang zu bringen. Als es schließlich doch gelang, erwiesen sie sich die frischgebackenen Gamer als erstaunlich clever.

Die Belohnung bestand auch aus menschlicher Zuwendung

Die amerikanischen Wissenschaftlerinnen Candace C. Croney und Sarah T. Boysen hatten die vier Schweine unter ihre Obhut genommen und sie an das Gaming herangeführt. Im ersten Lernabschnitt mussten die Tiere mühsam lernen, den Joystick mit dem Rüssel zu bewegen, im zweiten Schritt befassten sie sich damit, ihre Aufmerksamkeit auf ein Display zu richten. Danach galt es, beides zu verknüpfen und gegen Belohnung bestimmte Aktionen mit dem Cursor durchzuführen. Berührte dieser die Bildschirminnenkanten, erklang ein Ton und es gab eine Belohnung. Die Schweine erzielten nach einiger Zeit deutlich mehr Treffer, als sich durch bloßen Zufall erklären ließe. Und sie nahmen nicht nur Futter als Belohnung an, sondern auch menschliche Zuwendung.


Schweine sind intelligent, lernbereit – und hoch sozial

Das zeigt: Schweine sind nicht nur intelligent und lernbereit, sondern auch hoch soziale Wesen, die gern gestreichelt, gelobt und liebkost werden. Andere Studien stellten bereits fest, dass die Tiere über eine eigene Persönlichkeit verfügen und sich selbst im Spiegel erkennen. Teilweise agieren sie eigenständiger als Hunde. Croney zieht ein einleuchtendes Fazit aus ihren Versuchen: „Eigentlich sollten wir vor allem lernen, die Einzigartigkeit von Schweinen zu schätzen, und nicht nur einen Nutzen aus ihnen zu ziehen.“

Quelle: science.orf

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