Elektroautos gelten längst als technisch ausgereift, doch die Sorge um die Lebensdauer ihrer Batterien hält sich hartnäckig. Neue Antworten kommen nun nicht aus dem Labor, sondern direkt aus dem Alltag: Auswertungen realer Fahrzeugdaten aus zehntausenden Elektroautos zeigen, wie sich Akkus unter echten Nutzungsbedingungen entwickeln. Grundlage dafür sind umfangreiche Telemetrieanalysen des Flottenanalyse-Spezialisten Geotab sowie begleitende journalistische Auswertungen dieser Daten. Statt theoretischer Modellrechnungen liefern diese Untersuchungen ein belastbares Bild davon, wie schnell oder langsam moderne EV-Batterien tatsächlich altern – und welche Faktoren dabei den größten Einfluss haben. So altern Batterien Die Leistungsfähigkeit von Lithium-Ionen-Batterien nimmt mit der Zeit ab, messbar am sogenannten State of Health, der angibt, wie viel der ursprünglichen Kapazität noch verfügbar ist. Die von Geotab analysierten Daten aus mehr als 22.000 Elektrofahrzeugen verschiedener Hersteller zeigen, dass dieser Prozess deutlich langsamer verläuft, als vielfach angenommen. Im Durchschnitt verlieren die untersuchten Batterien rund 2,3 Prozent Kapazität pro Jahr. Hochgerechnet bedeutet das, dass viele Akkus auch nach zehn Jahren noch etwa 80 Prozent ihrer ursprünglichen Leistungsfähigkeit erreichen. Diese Werte basieren nicht auf idealisierten Testbedingungen, sondern auf realen Fahrprofilen, unterschiedlichen Klimazonen und variierenden Ladegewohnheiten. Chemische Alterungsprozesse in den Zellen lassen sich zwar nicht verhindern, doch ihr Tempo fällt im Alltag moderat aus. Für die Praxis heißt das: Reichweitenverluste entstehen schleichend und selten abrupt. Schnellladen als entscheidender Einflussfaktor Besonders deutlich wird der Einfluss des Ladeverhaltens. Die Auswertung zeigt, dass häufiges Schnellladen mit hoher Gleichstromleistung die Alterung messbar beschleunigt. Fahrzeuge, die regelmäßig an DC-Schnellladesäulen mit Leistungen jenseits von 100 Kilowatt geladen werden, weisen im Schnitt höhere jährliche Degradationsraten auf als solche, die überwiegend langsamer über Wechselstrom laden. Der Unterschied bewegt sich im Bereich von rund 1,5 Prozent gegenüber etwa 3 Prozent pro Jahr. Charlotte Argue, Senior Manager Sustainable Mobility bei Geotab, fasst diesen Befund so zusammen: „EV-Batteriegesundheit bleibt insgesamt sehr stabil, aber das Ladeverhalten ist heute einer der wichtigsten Faktoren dafür, wie schnell Batterien altern.“ Andere häufig diskutierte Aspekte wie tägliche Fahrleistung oder kurzfristige Ladezustände nahe null oder hundert Prozent spielen zwar eine Rolle, fallen im Vergleich jedoch weniger stark ins Gewicht, solange sie nicht dauerhaft auftreten. Nutzungsdauer von mehr als 13 Jahren Ergänzende Auswertungen derselben Datengrundlage kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen: Viele EV-Batterien erreichen eine Nutzungsdauer von über 13 Jahren, bevor ihre Kapazität unter etwa 75 Prozent sinkt. Damit überdauern sie häufig die übliche Haltedauer eines Fahrzeugs und stellen für die meisten Anwendungen kein begrenzendes Bauteil dar. Für Käufer:innen und Betreiber:innen von Fahrzeugflotten relativiert das gängige Sorgenbild deutlich. Zwar beeinflussen Nutzung, Klima und Ladeinfrastruktur die Alterung, doch moderne Batteriesysteme zeigen sich insgesamt robust. Die Studien legen nahe, dass nicht die grundsätzliche Haltbarkeit das zentrale Thema ist, sondern der bewusste Umgang mit Ladegewohnheiten. via Geotab Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter