Viren haben in unserer Welt nicht den allerbesten Ruf. In der Regel werden sie mit Krankheiten oder sogar Pandemien in Verbindung gebracht. Tatsächlich wurden sie auch in der Wissenschaft lange Zeit vor allem als Prädatoren betrachtet. Es stand also vor allem die Tatsache im Fokus, dass Viren andere Lebewesen parasitieren und teilweise sogar töten. Tatsächlich könnten sie aber innerhalb der Ökosystem noch eine andere wichtige Rolle spielen. Darauf deuten zumindest Forschungen an der University of Nebraska–Lincoln hin. Dort haben Forscher verschiedene Wimperntierchen im Labor kultiviert. Anschließend wurden die kleinen Eizeller in Wasser aufbewahrt. In diesem Wasser befanden sich auch Chloroviren, die ansonsten Grünalgen befallen und in vielen Tümpeln zu finden sind. Nun beobachteten die Forscher wie sich die Wimperntierchen Halteria sp. und Paramecium bursaria dort entwickelten. Während bei letzteren keine großen Überraschungen auftraten, sorgten die Halteria-Wimperntierchen für eine spannende Entwicklung.


Bild: Provided by James L. Van Etten, Irina V. Agarkova, David D. Dunigan, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Viren enthalten Proteine, Nukleinsäuren und Fette

Denn zum einen sank in diesem Testbehälter die Zahl der Chloroviren deutlich. Zum anderen erhöhte sich die Zahl der Einzeller um das 15-Fache. Wurden die Wimperntierchen hingegen in einer Wasserprobe ohne Viren gehalten, war nichts derartiges zu beobachten. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Viren schlicht als Nahrungsquelle genutzt wurden. Rein theoretisch ergibt dies auch durchaus Sinn. Denn Viren sind zwar extrem klein, enthalten mit Proteinen, Nukleinsäuren und Fetten aber auch durchaus wertvolle Nährstoffe. Noch aber benötigten die Forscher einen finalen Beweis. Deshalb versetzten sie einige der Viren mit einem grün fluoreszierenden Farbstoff. Und tatsächlich: Wenig später konnte die grüne Farbe auch in den Einzellern nachgewiesen werden. Damit war erstmals der Beweis einer sogenannten Virovorie erbracht. Also der Tatsache, dass Viren als bedeutsame Nahrungsquelle dienen. Diese Erkenntnis wirft aber logischerweise einige neue Fragen auf.

Einige offene Fragen müssen noch geklärt werden

So muss die Rolle von Viren innerhalb der globalen Nahrungsketten genauer untersucht werden. Bisher nämlich kamen diese in den entsprechenden Modellen schlicht gar nicht vor. Tatsächlich scheinen sie aber durchaus einen Beitrag zum Aufbau von Biomasse und zum globalen Kohlenstoffkreislauf zu leisten. Wie groß diese Rolle tatsächlich ist, muss nun weitere Forschungsarbeit zeigen. Erste Tests im Labor haben zumindest nachgewiesen, dass die Wimperntierchen rund 17 Prozent der aufgenommen Virenmasse in Körpermasse umwandelten. Dies ist vergleichbar mit den Werten von Algen und Bakterien. Weil die Viren allerdings so klein sind, müssen gewaltige Mengen vertilgt werden, um signifikante Effekte zu erreichen. So fraßen die Einzeller im Labor zwischen 100.000 und 1.000.000 Chloroviren pro Tag – und vermehrten sich dementsprechend stark. Unklar ist zudem noch, welche Rolle die Virovorie bei der Evolution von Viren spielen. Auch hier besteht noch weiterer Forschungsbedarf.


Via: PNAS

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