Auch wenn der Pazifik manchmal als Stiller Ozean bezeichnet wird, ist es in den Weltmeeren unterhalb der Wasseroberfläche alles andere als leise. So kommunizieren beispielsweise Wale und Robben mithilfe von bestimmten Geräuschen auch über lange Distanzen. Zusätzlich sorgt die Natur für eine gewisse Geräuschkulisse – etwa durch Unterseevulkane und ins Wasser fallende Eisberge. Und zu guter Letzt ist auch der Mensch nicht ganz unschuldig am Lärm unter Wasser. So sorgen Schiffsmotoren ebenso für Geräusche wie Sonarsysteme oder der Abbau von Ressourcen. Die im Wasser lebenden Tiere haben sich auf die jeweilige Geräuschkulisse eingestellt und nutzen diese unter anderem zur Orientierung und zur Jagd. Dementsprechend problematisch kann es sein, wenn sich die Soundkulisse verändert. Genau dies wird aber im Zuge des Klimawandels geschehen. Diesen Effekt haben Forscher aus der italienischen Stadt Triest nun genauer untersucht.


Ozean
Symbolbild
Foto: The Atlantic Ocean, Milan Boers, Flickr, CC BY-SA 2.0

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Ausbreitung des Schalls

Der grundsätzlich dahinter stehende Mechanismus ist bereits bekannt: Schallwellen breiten sich in warmem Wasser schneller aus. Ein bestimmtes Geräusch erreicht somit eine größere Reichweite. Heute ist es beispielsweise so, dass sich Schallwellen in den arktischen Gewässern mit einer Geschwindigkeit von 1.450 Metern pro Sekunde ausbreiten. In den Gewässern rund um den Äquator sind es hingegen 1.520 Meter pro Sekunde. Durch die Erderwärmung werden nun die Wassertemperaturen in allen Meeren weltweit ansteigen. Die logische Folge: Auch die Schallwellen breiten sich schneller aus. Es entsteht also eine größere Geräuschkulisse als bisher. Allerdings ist die Wassertemperatur nicht die einzige Variable, die die Ausbreitung des Schalls beeinflusst. So spielt beispielsweise auch der Salzgehalt und die Wassertiefe eine Rolle. Die Forscher haben daher ein physikalisches Modell entwickelt, mit dem die Ausbreitung von Schall unter realistischen Bedingungen simuliert werden kann.

Zwei Hotspots sind besonders stark betroffen

Auf diese Weise berechneten sie sowohl die Schallausbreitung unter den aktuellen Bedingungen als auch bei den zu erwarteten Voraussetzungen im Jahr 2100. Das erste Ergebnis der Studie ist wenig überraschend: Die Schallausbreitung wird sich tatsächlich beschleunigen. Zusätzlich erkannten die Forscher aber auch, dass es zwei akustische Hotspots gibt, in denen die Auswirkungen besonders stark sein werden. Diese liegen nordöstlich von Grönland und vor Neufundland. Dort wird sich der Schall den Berechnungen zufolge um bis zu 25 Meter pro Sekunde schneller ausbreiten. Unklar ist allerdings noch, welche Auswirkungen dies auf die existierenden Ökosysteme haben wird. So dürften die Kommunikationssignale der Wale dadurch eine größere Reichweite erlangen. Grundsätzlich würde sich die Kommunikation der Tiere dadurch vereinfachen. Gleichzeitig finden aber auch Lärmquellen eine größere Ausbreitung. Wie sich diese beiden Effekte gegenseitig beeinflussen, muss zukünftig noch untersucht werden.


Via: AGU

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